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USA 2005

Sin City

R: Frank Miller, Robert Rodriguez; D: Bruce Willis, Mickey Rourke, Jessica Alba, Clive Owen, Powers Boothe, Elijah Wood, Benicio Del Toro; 11.08. Eine düstere, wolkenverhangene Stadt bietet den in Kontrast-starkes Schwarz-Weiß gestanzten Hintergrund für drei morbide Episoden, deren Protagonisten
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R: Frank Miller, Robert Rodriguez; D: Bruce Willis, Mickey Rourke, Jessica Alba, Clive Owen, Powers Boothe, Elijah Wood, Benicio Del Toro; 11.08.

Eine düstere, wolkenverhangene Stadt bietet den in Kontrast-starkes Schwarz-Weiß gestanzten Hintergrund für drei morbide Episoden, deren Protagonisten dafür kämpfen, ihre zweifelhaften Vorstellungen von Moral und Gerechtigkeit durchzusetzen.

Mit "Sin City" hat Robert Rodriguez ein Werk vorgelegt, das nicht nur technisch und stilistisch wegweisend ist, er hat auch die weise Entscheidung getroffen, den Autor der brillanten Comicserie, auf der dieser Film beruht, auf den Regiestuhl zu bitten. Alle Szenen wurden in Rodriguez' Studio vor Greenscreen auf digitalen Film gedreht, um sofort per Computer in die alptraumhaften Scherenschnittkulissen der titelgebenden Stadt eingefügt zu werden. Herausgekommen ist kein Film im klassischen Sinne, sondern ein Fleisch gewordener Comic für die große Leinwand. Und zwar ein großartiger! Die Bilder sind getränkt mit der schwarz-weißen Ikonografie der "Schwarzen Serie" der 40er-Jahre, deren Vertreter sowohl in Wort (Dashiel Hammett, Jim Thompson) als auch in Bild (Robert Aldrich, Edgar G. Ulmer) ihre ohnmächtige Wut über die restriktiven Zustände ihrer Ära mit paranoiden Gewaltszenarien zum Ausdruck brachten. Die Helden dieses Genres waren meistens arm und gemein, ihre Widersacher reich, pervers und abgrundtief böse.

In "Sin City" begegnet man diesen Archetypen in formaler Reinform, jeder Schnörkel wurde von Miller feinsäuberlich ausradiert, jede der Eindimensionalität der Figuren abträgliche Nuance amputiert, und so darf der Zuschauer die privaten Feldzüge von Gestalten verfolgen, deren wesentlichste Emotion der Schmerz ist. Der Schmerz, der ihnen permanent zugefügt wird, und der, den sie anderen kalt lächelnd angedeihen lassen. Männer wie Marv (Mickey Rourke), eine Art Kirk-Douglas-From-Hell, unstoppbar, gutherzig und sadistisch, der einen katzenhaften Perversen (Elijah Wood) zur Strecke bringt, um ihn fachmännisch zu foltern. Oder der pflichtbewusste und nicht minder grausame Cop John Hartigan (Bruce Willis), der einen Kinderschänder mit bloßen Händen seiner Männlichkeit beraubt. Die gemeinsame Nemesis dieser immer am Rande des Wahnsinns operierenden "Tough Guys" sind ein übermächtiger Senator und dessen Bruder, ein Kardinal, die gemeinsam eine Welt regieren, in der die Unschuld nur dazu da ist, missbraucht und gedemütigt zu werden. Ja, wir leben in unschönen Zeiten, und was auch immer uns das Team Miller/Rodriguez mit diesem holzschnittartigen Pandämonium, in dem Frauen lediglich als leicht bekleidete Todesengel oder leicht bekleidete Opfer eine Rolle spielen, sagen will, sie sagen es mit Wucht, visuellem Einfallsreichtum und dem fiesesten Slapstick-Humor, den man sich nur wünschen kann. Millers dynamische, stark vom Manga beeinflusste Bildsprache ist auf wunderbare Weise eins zu eins umgesetzt worden. Der schon in der Vorlage benutzte punktuelle Einsatz von Farbe bzw. deren Verfremdung (z. B. die weißen Einschusslöcher in Hartigans Körper) verfehlt auch im Kino nicht seine Wirkung und zeigt, welche visuellen Möglichkeiten einem stilistisch gut untermauerten Mainstream-Kino zukünftig zur Verfügung stehen.