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Love Guru und Austin Powers

Silver Surfer: Neues auf Blu-Ray

Daniel Craig schuldet Mike Myers einen großen Gefallen, und das weiß er auch. Schließlich verdankt sein James Bond Austin Powers das Leben und nicht etwa umgekehrt.
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Daniel Craig schuldet Mike Myers einen großen Gefallen, und das weiß er auch. Schließlich verdankt sein James Bond Austin Powers das Leben und nicht etwa umgekehrt.


Klar, 007 war Erster, aber das war auch zu einer Zeit, als man noch mit Pan Am nach Rhodesien fliegen konnte. Und bekanntlich gibt's heute beide nicht mehr. Wie konservativ die Abenteuer des monarchistischen Geheimagenten damals schon waren, kann man heute noch daran erkennen, dass in "Goldfinger" kräftig über die Beatles gelästert wurde, während Sean Connery die Machoträume der Nachkriegsgeneration beflügelte. Und die handelten offenbar alle davon, als Hardy Krüger mit Lizenz zum Töten durch einen Pirelli-Kalender der Machbarkeitsfantasien zu stapfen. Ein Lifestyle-Entwurf, in dem Frauen Namen wie Pussy Galore tragen, musste natürlich früher oder später durch das Unterbewusstsein der Nerd-Riege sickern und dabei zwangsläufig Humor absorbieren. Heute wissen wir, dass es auch so kam.

Das Ergebnis dieses Prozesses heißt "Austin Powers" und ist seinem Vorbild so haushoch überlegen, dass man sich fast aus Mitleid all die TAG Heuers und Aston Martins kaufen möchte, für deren Product-Placement man James Bond heute überhaupt noch erinnert. Im Zweifel ist es nämlich Austin Powers, der die reizenderen Charaktereigenschaften auf sich vereint: ein inkompetenter Hygiene-Abstinenzler, dessen Neurosen genau wie seine Libido permanent blank liegen und dessen Leben sich vor allem um irrelevante Stilfragen zu drehen scheint. Damit kann man sich schon mal identifizieren. Das Sperrfeuer von um die Ecke gedachten Gags, mit dem die meisten Facetten der Popkultur belegt werden, ist dabei allerdings der wahre Aktivposten einer Serie, die erstaunlich gut altert. Tatsächlich ist die schiere Dichte komischer Einfälle so hoch, dass plötzlich einleuchtet, was man der Blu-Ray-DVD schon immer scherzhaft nachgesagt hat: Das Bild sei so scharf, dass man Sachen sähe, die der Regisseur eigentlich verheimlichen wollte.

Ähnliches gilt für den "Love Guru", eine weitere Inkarnation von Gesichtsakrobat Mike Myers. Als spiritueller Wunderheiler mit Minderwertigkeitskomplex ist er eigentlich genau der Falsche für den Motivationstrainermarkt, insbesondere, was Eishockey-Mannschaften mit Erfolgsallergie angeht. Auch hier herrscht vor allem die visuelle Anarchie: Die überkandidelte Satire kontert selbstherrliche Ratgeberphilosophie mit respektlosem Chaoshumor und legt den Billig-TV-Verweiskosmos nebenbei in Schutt und Asche. Super Taktik.