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»Room 237«

»Shining« Film oder Buch?

In der Dokumentation »Room 237« konkurrieren fünf »Shining«-Nerds um die steilste These zu Stanley Kubricks Verfilmung des Stephen-King-Bestsellers. Bastian Küllenberg und Wolfgang Frömberg bringt das auf eine wichtige Frage: Was ist eigentlich besser: Kubricks Film oder Kings Roman?
Geschrieben am

Film

Dieser Teppich! Schon allein die Ausstattung von Stanley Kubricks Verfilmung rechtfertigt den Status als Klassiker. Doch auch abseits des orange-braunen Musters hat »Shining«, der Film, so viel mehr zu bieten als seine Romanvorlage. Zuallererst Jack Nicholson, der die Rolle des Jack Torrance ab der ersten Sekunde mit unvergleichlichem Wahnsinn füllt. Stephen King war davon not amused. Angeblich versuchte der Autor sogar, Kubrick die Besetzung auszureden, da dieser ihm zu verrucht und düster aussah. Sein Lieblingskandidat: John Voigt, das ist der, den man in späteren Rollen gerne für einen hölzernen Christopher Walken hält. Wie gut, dass Kubrick eines der größten Egos der Filmgeschichte besaß. So hinterlässt sein »Shining« neben dem bekannten Postermotiv (Nicholson, Grinsen, Badezimmertür) auch die Gewissheit, dass Nicholson so viel mehr ist als ein kiffender B-Movie-Darsteller. Mal abgesehen von dem Hauptdarsteller lebt der Film jedoch vor allem von seiner Bildgewalt: Vom Blutstrom aus dem Aufzug über Dannys Dreiradfahrten, für die Kubricks Team extra eine tiefer gelegte Steadicam entwickelte, bis zum Geist der ermordeten Zwillinge mangelt es dem Film nicht an Einstellungen, die zu Ikonen des Kinos wurden.

 

Bastian Küllenberg

Roman

Wie man einen Horrorfilm mit einem Bild beschließt, das den Zuschauer lange verfolgt, hat sich Stanley Kubrick bei Roman Polanski abgeschaut. Nur dass die finale Einstellung seines »Shining«-Films weniger unheimlich ist als die von Polanskis »Ekel«. Ähnlich wie Polanski wollte Kubrick keinen Genrefilm drehen. Kubricks Privatfehde mit Genreautor Stephen King macht das überdeutlich. Sie begann schon, als der Regisseur Kings Drehbuchversion ablehnte. Die Seitenhiebe des Films zeigt »Room 237« mit nerdiger Gewissenhaftigkeit. Darüber hinaus wetterte Kubrick später gegen Skelette und knarzende Türen, so als hätte der King Of Horror nur diese billigen Tricks zu bieten. Kubrick konzentriert sich auf Kulissen, Schnitte und Jack Nicholsons Grimassen. Die Romanfigur Wendy Torrance entstellt er bis zur Unkenntlichkeit. Okay, sklavische Treue zum Original muss nicht sein, aber im Streit mit King übersieht Kubrick, dass der Autor seine Übersetzung in ein anderes Medium ganz konkret kritisiert. King sagt nicht bloß: Tiefer gelegte Steadicam my ass! Kubrick spricht dem Schriftsteller dagegen prinzipiell die Fähigkeit ab, so etwas wie Kunst zu produzieren. Erst das macht seinen Film, der von dieser bildungsbürgerlichen Großkotzigkeit durchdrungen ist, wahrhaft unheimlich.

 

Wolfgang Frömberg

 

Intro empfiehlt »Room 237« (USA 2013; R: Rodney Asher; Rapid Eye Movies)