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USA 2004

Saw

R: James Wan; D: Leigh Whannell, Cary Elwes, Danny Glover; 03.02. Schon wieder hat ein billig produzierter Horrorfilm in Amerika eine Menge Geld eingespielt, und alle freuen sich ein Loch ins Knie. Diesmal waren es die beiden australischen Filmstudenten James Wan und Leigh Whannell, die sich ein
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R: James Wan; D: Leigh Whannell, Cary Elwes, Danny Glover; 03.02.

Schon wieder hat ein billig produzierter Horrorfilm in Amerika eine Menge Geld eingespielt, und alle freuen sich ein Loch ins Knie. Diesmal waren es die beiden australischen Filmstudenten James Wan und Leigh Whannell, die sich ein klug spartanisches Konzept für einen Film überlegten und einen kleinen Promo-Kurzfilm gedreht und auf DVD gebrannt haben. Das Ganze haben sie an diverse Filmproduzenten in Los Angeles geschickt und auf den ominösen Anruf aus Hollywood gewartet. Der Anruf kam tatsächlich, und Wan (Buch und Regie) und Whannell (Buch und eine der Hauptrollen) konnten ihren Film ›Saw‹ mit einem richtigen Filmteam in Amerika drehen. Dr. Lawrence Gordon (Cary Elwes) und der Fotograf Adam (Leigh Whannell) erwachen an Rohre festgekettet im Dunkel eines abgeranzten Toilettenraumes. Nachdem sich die beiden bekannt gemacht und einen Lichtschalter gefunden haben, entdecken sie in der Mitte des Raumes einen offensichtlich toten Mann mit weggeschossener Matschrübe. In der einen Hand hält er eine Pistole, in der anderen ein Diktiergerät. In ihren Hosentaschen finden die beiden Gefangenen Kassetten, die sie auf dem Diktiergerät abhören. Die verfremdete Stimme eines psychopathischen Täters fordert Dr. Gordon auf, Adam zu töten. Andernfalls wird er seine Frau und Tochter töten. Gordon erinnert sich, dass er kürzlich Verdächtiger in einem Mordfall war, in dem es um einen Serienmörder ging, der seine Opfer unter pseudomoralischen Vorwänden in ausweglose Situationen sperrte.

Allzu offensichtlich bedient sich Regisseur James Wan bei Vorbildern wie ›Sieben‹ oder ›The Cell‹. Das ist wenig originell, und bei einem Budget von nur 1,2 Millionen Dollar kann ›Saw‹ es formal nicht mit diesen Horror-Blockbustern aufnehmen. Doch das eigentliche Problem des Films ist nicht sein geringes Budget, das wird durch die bei Erstlingswerken freigesetzte Energie und Kreativität mehr als ausgeglichen. Auch die Tatsache, dass Serienkiller im Film mehr als ausgelutscht sind, kann man wohlwollend ignorieren. Schließlich ist kreatives Töten im Kino immer irgendwie spannend. Vielmehr sind es die überambitionierten Schauspieler, die mit ihren theaterhaft überspielten Darbietungen den Film ins unfreiwillig Komische abdriften lassen. Bei einem Horrorfilm bedeutet es natürlich den Todesstoß, wenn der gespielte Schrecken im Gesicht der Protagonisten den Zuschauer schmunzeln lässt. Deshalb funktioniert ›Saw‹ am besten bei schreckhaften Zuschauern, die bei brenzligen oder ekeligen Szenen vorsichtshalber die Augen mit ihren Händen bedecken. Die werden dann von der wummernden Tonspur verwöhnt, auf der sich Charlie Clouser, der Keyboarder der Nine Inch Nails (für Trent Reznor hat das Geld wohl nicht gereicht), mit viel Geratter und Gefiepse austoben darf. Also am besten die Augen zu und die Ohren auf. Dann klappt’s vielleicht auch mit dem Gruseln.