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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Ein Mann und viertausend Frauen

Ron Jeremy

Ron Jeremy spielte sich in über 1800 Hardcore-Filmen selbst - und jetzt geht das Spielchen mit seiner Autobiografie "Ein Mann und viertausend Frauen" weiter
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Ron Jeremy spielte sich in über 1800 Hardcore-Filmen selbst - und jetzt geht das Spielchen mit seiner Autobiografie "Ein Mann und viertausend Frauen" weiter. Linus Volkmann hat sich nicht nur die Bilder reingezogen, sondern das ganze Knallchargen-Entertainment.


"Wenn die Leute mich in einem Porno sehen, denken sie: ›Wenn dieser Typ eine Frau abbekommt, besteht für mich vielleicht auch noch Hoffnung.‹" Die kokette Pose des hier Zitierten trügt nicht - wohl aber seine zur Schau gestellte Uneitelkeit. Das Zitat stammt von Ron Jeremy. Dem kleinen dicken Mann mit Schnauzbart, der seit den 70ern über 1800 Hardcore-Filme gedreht hat. Man kann ihn aber auch ohne Porno-Know-how kennen. Denn Ron ist populärster White Trash. Er spielte Mini-Rollen in Filmen wie "Spun", "Ronin" oder "Killing Zoe", bekam seinen eigenen Hommage-Film (ohne Hardcore) mit dem Titel "Being Ron Jeremy". Er posierte auf Postern für PETA, tauchte auf in Videos von u. a. Moby, Mercury Rev, Guns N' Roses, eröffnete Live-Gigs als Conferencier von Peaches, Poison, Digital Underground, B-52's. Und was nicht sonst noch alles.

Woher man das wissen kann? Aus seiner Autobiografie "Ein Mann und viertausend Frauen". Darin erfährt man alles von dem Typ, dessen Oberkörper so gedrungen und dessen Penis so lang ist, dass er sich selbst einen blasen kann. Für Filme tat er das aber nur zwei-, dreimal, erfährt man. Denn Ron findet es schwul, als Hetero einen Schwanz zu lutschen, und betont im dazugehörigen Absatz, dass er sich dabei nicht selbst ins Gesicht gespritzt habe.

Überhaupt betont Ron Jeremy sehr viel komisches Zeug - sodass man rasch durchsteigt, dass er nicht mehr allzu viel merkt. Dabei nahm er nie Drogen, nicht mal Viagra. All seine Erektionen sind auch noch im 55. Lebensjahr total authentisch. Und das wollte noch mal wer so genau wissen? Richtig, Ron selbst. Und Ron möchte darüber hinaus in einer nicht enden wollenden Litanei erzählen, wie viele Prominente ihn kennen. Nicht umsonst schmücken die Bildergalerie des Buchs keine Abbildungen von Sex-Szenen, dafür von Promis, neben denen Ron Jeremy steht. Immer mit diesem Bart.

Emanzipatorisch wertvoll sind natürlich weder Ron Jeremy noch die Einblicke in die classic Porno-Industrie des bigotten Amerikas. Aber als Knallchargen-Entertainment mit eher bescheuerten denn obszönen Details, die stets den falschen Ton treffen, funktioniert diese Bio erstaunlich gut.

Zum Schluss hier noch mal etwas, wo Ron einen Freund von sich zitiert. Jener schlägt als Titel für einen weiteren Jeremy-Film - kurz nach "The World's Luckiest Man" - Folgendes vor: "Wie wäre es mit ›The World's Unluckiest Women‹?"