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»David Lynch und Stephen King standen Pate«

Ron Gilbert über »Thimbleweed Park«

Ron Gilbert hat mit »Maniac Mansion«, »Zak McKracken« sowie den ersten beiden Folgen der »Monkey Island«-Reihe Gaming-Geschichte geschrieben. In diesem Jahr erscheint nun »Thimbleweed Park«, ein klassisch anmutendes Point-and-Click-Adventure, an dem auch alte »Monkey Island«-Gefährten mitwirken. Warum es trotzdem keine reine Nostalgie-Veranstaltung ist und was ihn zu der Geschichte inspirierte, verriet uns Ron Gilbert vorab.


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Für ein Interview mit Ron Gilbert steht man gerne mal früher auf und schleppt sich um kurz nach acht in ein Kölner Hotel. Der Macher von »The Secret Of Monkey Island« und anderen mittlerweile zum Kult erklärten Adventures ist in der Stadt, um über das per Kickstarter finanzierte »Thimbleweed Park« zu sprechen, das in diesem Jahr nun endlich erscheinen wird. Worum es darin geht, kann wohl am besten einer der amüsantesten Charaktere des Spiels erklären, Ransom, der fluchende Clown:

Schon die Grafik, der Humor und die Menüführung machen deutlich, dass Gilbert und sein Team an die Hochzeit der Point-and-Click-Adventures Ende der Neunzigerjahre erinnern wollen. »Ich und Gary Winnick, mit dem ich damals an ›Maniac Mansion‹ gearbeitet hatte, fragten uns eines Tages, was eigentlich den Charme all dieser Spiele ausmacht. Ich mag moderne Adventures, aber mir kommt es so vor, als würde ihnen genau dieser Charme fehlen.« Eine Feststellung, die sie selbst als unfair empfanden, die aber gerade deshalb den Impuls für »Thimbleweed Park« gab: »Uns fiel auf, dass wir da zwar einer Meinung waren, aber gar selbst nicht benennen konnten, warum wir so fühlten. ›Thimbleweed Park‹ ist also ein Experiment. Wir suchen die Antwort auf die Frage, ob wir diesen Charme wiederbeleben können, wenn wir noch einmal ein Spiel dieser Art machen.«

Trotzdem wolle man nicht bloß in Nostalgie schwelgen: »Das wäre zu wenig. Das Problem mit Retrothemen und Nostalgie ist ja, dass die Leute vieles besser in Erinnerung haben, als es eigentlich war. Man kann also nicht einfach das Altbewährte nachbauen. Wir wollen ein Spiel liefern, dass sich so spielt, wie sich die verklärte Vergangenheit anfühlt. Die Grafik ist zwar im Kern bewusst retro, aber die Geschichte, die Steuerung, die Details und die Effekte sollen moderne Elemente haben, eingepackt in diesem schönen Geschenkpapier der Nostalgie.«
Inspiration für das Setting von »Thimbleweed Park« lieferte unter anderem David Lynchs Kultserie »Twin Peaks«, wie Gilbert bereits in einigen Interviews erklärte. Wir konnten allerdings noch einen weiteren Einfluss erraten: Stephen Kings Kleinstadtromane wie »Brennen muss Salem«, »Needful Things«, »Tommyknockers« oder »The Dome«. »Ja, Lynch und King standen eindeutig Pate, als wir das Szenario und die Story entwarfen. King war stets gut darin, die altbewährte Geschichte einer kleinen Stadt, in der seltsame Dinge passieren, immer wieder neu zu erzählen. Und Lnych verehre ich vor allem, weil er vertraute Dinge nimmt und ihnen bloß einen kleinen Twist gibt, um sie plötzlich creepy erscheinen zu lassen.«

Die in einigen Artikeln erwähnten »Akte X«-Vergleiche wiederum lässt Ron Gilbert nicht gelten: »Die einzige Parallele ist, dass zwei Detectives im Mittelpunkt stehen. Aber Mulder und Scully sind ein Team, Ray und Reyes in ›Thimbleweed Park‹ hingegen trauen sich nicht über den Weg, spielen Machtspiele und haben völlig gegensätzliche Motive, warum sie dort sind. Als ich einen Großteil von ›Thimbleweed Park‹ schrieb, schaute ich gerade ›True Detectives‹ auf HBO – in die Richtung könnte man eher Parallelen ziehen.«

Der genaue Releasetermin steht zwar noch nicht fest, aber da Ron Gilbert momentan in ganz Deutschland Interviews gibt und diverse Fan-Events ausrichtet, scheint es nicht mehr lange zu dauern. Den Anfang werden die PC- und Mac- sowie die X-Box-Version machen, später sollen weitere Konsolen und Tablets folgen. Einen sehr guten Einblick in die Entwicklung und alle Termine der anstehenden Events findet ihr auf https://blog.thimbleweedpark.com/. Das komplette Interview mit Ron Gilbert gibt's im März auf intro.de und in Intro #250.

P.S.: Es ist übrigens nicht originell, Ron Gilbert mit den Worten »Hinter Dir, ein dreiköpfiger Affe!« zu begrüßen. »Es kommt immer wieder vor, dass mich Fans mit Zeilen aus den Fechtduellen begrüßen«, erzählt Gilbert. »Das ist zwar nett gemeint, aber manchmal weiß ich gar nicht, worauf sie hinauswollen. Ich kann mich schließlich nicht an alle Lines erinnerin, die ich damals geschrieben habe.«