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»Rogue One: A Star Wars Story«

Ist »Rogue One« nur eine Wiederholung von »Die Rückkehr der Jedi-Ritter« ohne dessen magischen Momente oder doch ein großer Kino-Spaß? Wolfgang Frömberg und Julia Brummert sind sich nicht ganz einig.
Geschrieben am

Es gibt durchaus einige Dinge, die man an »Rogue One« selbst dann noch schätzen könnte, wenn einen der lahm inszenierte und zähe Showdown allmählich zu langweilen beginnt. Der erste Spin-Off der »Star Wars«-Reihe ist im Gegensatz zum Reboot »Das Erwachen der Macht«, auf den Disneys Merchandise-Abteilung offensichtlich mehr Einfluss hatte, »Krieg der Sterne« für Erwachsene. Die genialen Kostüme und Masken, die Old-School-AT-ATs und Sternenkreuzer, die unverständlichen aber vertraut klingenden Sprachen sowie die Franchise-typischen Schauplätze dürften bei Fans aller Generationen für Gänsehaut sorgen. Aber während gerade in den feinen Neuerungen beim Design unterhaltsame Details stecken, wie die herrlich albernen Obstschalen-Hüte diverser Statisten, nimmt sich Regisseur Gareth Edwards für die Story bloß »Freiheiten«, die schließlich die Frage aufwerfen, wer diesen nachträglichen Einschub zwischen Episode III und IV braucht. Was heißt schon Freiheiten...Letztlich gibt es ermüdend viele Ähnlichkeiten zwischen »Rogue One« und Episode 6, »Die Rückkehr der Jedi-Ritter«, bloß ohne dessen magische Momente.

Trotz einiger »überraschender« Wendungen, die man den Produzenten als mutige Entscheidungen auslegen könnte, zeigen diese Übereinstimmungen, dass der »Star Wars«-Reihe der Abstand zu ihr selbst fehlt. Identitätsprobleme plagen auch die Charaktere. No offense, Felicity Jones und Diego Luna, aber die computergenerierten Gesichter entscheidender Figuren und die Stimme von Darth Vader haben in diesem Spektakel noch am meisten Ausdruckskraft. Letztlich waren die »Star Wars«-Filme bislang Märchen. Spirituelles Kino, das uns als Verteidigung der Kindheit gegen die Welt der Erwachsenen dienen konnte. »Rogue One« ist eher ein aus den Fugen geratener Kriegsfilm mit laschen Martial-Arts-Einflüssen. Und vielen umgedrehten Obstschalen.
Wolfgang Frömberg


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Gib’s doch zu, du warst doch auch prima unterhalten! Lahm inszenierter Showdown, findest du wirklich? Ich bin mindestens siebzehn Mal im Kinosessel zusammengezuckt, war beeindruckt von den Effekten und Kulissen und war erschüttert über die Brutalität und den Ausgang der Geschichte. Das nennst du lahm?

Aber was den Film vor allem ausgemacht hat war, dass er Antworten gegeben hat. Ich gebe dir Recht, es nervt, dass auch Gareth Edwards dem so umfangreichen Universum nur einen schon bekannten Plot entlocken konnte und sich wieder auf eine Familiengeschichte stürzt. Das hat schon bei »Das Erwachen der Macht« im letzten Jahr gestört. Als Fan möchte man den Film aber trotzdem sehen, denn er beantwortet drängende Fragen, nein, eigentlich DIE drängende Frage nach dem Schauen von »Eine neue Hoffnung«: Wieso zum Kuckuck baut das Imperium eine Waffe mit solcher Macht, die dann aber vergleichsweise einfach kaputt zu machen ist? Klar gibt es zig Romane, die irgendwo zwischen den Filmen angesiedelt sind, aber für mich ist »Star Wars« Stoff fürs Kino. Umso erfreulicher, das Universum weiter ausgebaut zu sehen, die verschiedenen Monde und Planeten zu erkunden und zu erfahren, was eigentlich die so treiben, die versuchen, zwischen Stormtroopern und Rebellen ihren Alltag zu bestreiten.
Auch die Charaktere sind nicht blass, im Gegenteil. Ihnen hätte mehr Raum zur Entwicklung gut getan, aber immerhin dürfen sie in »Rogue One« auch mal richtige Arschlöcher sein. Gegen Captain Cassian Andor ist Han Solo ein harmloser Bandit. Es schadet auch nicht, dass sich die Truppe um Jyn (Felicity Jones) aus so unterschiedlichen Menschen und, nun ja, Droiden und Wesen zusammensetzt. Edwards zeigt, was ein Bürgerkrieg mit den Einzelnen anstellt, setzt viele Anspielungen auf aktuelle Krisenherde und widerlegt ganz nebenbei die neulich vom Disney-Chef Bob Iger getroffene Aussage, »Rogue One« sei nicht politisch. 

Man sieht dem Film an, dass er von Fans des »Star Wars«-Universums gemacht wurde. Und dass sie als Zielgruppe mal nicht die achtjährigen Kinder im Blick hatten, sondern die Erwachsenen. Auch wenn die sich darauf gefasst machen sollten, dass am Ende keine tanzenden Ewoks warten. Von den fehlenden Lichtschwertern fange ich hier übrigens gar nicht erst an. 
Julia Brummert
»Rogue One: A Star Wars Story« startet am 15. Dezember 2016 in den deutschen Kinos. Weitere Inhalte zum Thema »Star Wars« findet ihr hier.

George Lucas

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Release: 11.10.2013