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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Sand in den Socken

»Rime«

Schiffbruch, Filmriss und geheimnisvolle Inseln: Das ist der Stoff, aus dem schon vor Dekaden gute Videospiele gestrickt wurden. »Rime« ist das vielleicht schönste von ihnen. 
Geschrieben am
Das Salzwasser in seinen Ohren ist Enus kleinstes Problem, als er bewusstlos an die Küste einer malerischen Insel gespült wird. Nur langsam kommt er zu sich, die Erinnerungen getrübt vom Schleier einer gepflegten Amnesie. Ein Auftakt, der so schon in Klassikern wie »The Legend Of Zelda: Link’s Awakening« den Entdeckergeist des Spielers zu wecken wusste und auch in »Rime« umgehend Wirkung zeigt. Dazu trägt nicht nur die umwerfende Präsentation bei, sondern auch die Beschaffenheit der Insel selbst: Idyllische Wäldchen, paradiesische Buchten und antike Ruinen dominieren zunächst das unerschlossene Terrain. Und da das Spiel nur äußerst diskret andeutet, was überhaupt zu tun ist, führt einen vor allem die Neugierde immer tiefer in das Herz dieses Eilands. Eigenartige Kreaturen, geheimnisvolle Katakomben und altertümliche Maschinen stellen uns dabei zunehmend vor abstrakte Rätsel, die mit fortschreitendem Spielverlauf immer mehr Fragen aufwerfen. Ob dieser Ort wirklich so friedlich ist, wie er zunächst anmutet, wird immer zweifelhafter.
Obwohl in »Rime« kein einziges Wort gesprochen oder geschrieben wird, demonstriert das Spiel immer wieder einen verblüffenden Sinn für Poesie. Eine Qualität, die mit großer Wahrscheinlichkeit dem gut geölten Zusammenspiel der cineastisch inszenierten Studio-Ghibli-Optik mit dem melodramatischen Orchester-Soundtrack von »Silent Hills«-Komponist Akira Yamaoka geschuldet ist und immer wieder für ausgesprochen emotionale Momente sorgt. Der geringe Schwierigkeitsgrad ist dieser anmutigen Stimmung dabei absolut zuträglich, läuft der Spielfluss so doch gar nicht erst Gefahr, durch frustige Passagen getrübt zu werden. Sowohl Rätsel als auch Geschicklichkeitseinlagen sind zumeist im ersten Anlauf machbar und laden auch ungeübte Spieler zum Erkunden der Insel ein. In Anbetracht eines Zeitgeistes, der den gehobenen Schwierigkeitsgrad gerne mal mit Qualität verwechselt, ausgesprochen angenehm. 

U&I

RiME

Release: 26.05.2017