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Die Kultur Des Neuen Kapitalismus

Richard Sennett

Berlin Verlag, 160 S., EUR 18 Auch wenn die Klappentexte seiner Bücher das Gegenteil behaupten: Richard Sennett ist kein Theoretiker. Müsste man ein anderes Etikett für den in London lehrenden Soziologen finden, böte sich schon eher das des Diagnostikers an. Denn Sennett errichtet keine abstrakten
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Berlin Verlag, 160 S., EUR 18

Auch wenn die Klappentexte seiner Bücher das Gegenteil behaupten: Richard Sennett ist kein Theoretiker. Müsste man ein anderes Etikett für den in London lehrenden Soziologen finden, böte sich schon eher das des Diagnostikers an. Denn Sennett errichtet keine abstrakten Begriffsgebilde, sondern fertigt in einem fast schon feuilletonistischen Stil innovative Beschreibungen der Gegenwart an. Das war in seinem preisgekrönten Essay "Der Flexible Mensch" so und ändert sich auch nicht in dem nun vorliegenden Band.

Sennett charakterisiert den sich seit den 70er-Jahren entwickelnden "neuen" Kapitalismus als ein Regime radikal verkürzter Zeitspannen. Weil die Märkte turbulenter geworden sind und Investoren statt langfristiger Entwicklungen kurzfristige Erfolge honorieren, gestaltet sich der institutionelle Status des Einzelnen äußerst prekär. Hinzu kommt, dass schulisch-universitäre Qualifikationen in der Wissensgesellschaft immer schneller veralten. Folglich schwebt das Gespenst der Nutzlosigkeit über den meisten Menschen, denen es unter den Bedingungen der diskontinuierlichen Zeit kaum noch gelingt, ihrem Leben in Form einer umfassenden Erzählung Bedeutung zu verleihen. Denn dazu bedürfte es eines stabileren Planungshorizonts. Zwar überzeugt dieser Gedankengang in seiner Allgemeinheit - bei der argumentativen Ausgestaltung fehlt es Sennett jedoch manchmal an Präzision, und nicht selten kippt seine Krisendiagnostik auch ins arg Kulturpessimistische. Liest man aber über derartige Mängel hinweg, werden die Schwachstellen von den anregenden Einsichten mehr als ausgeglichen.