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Recap zu »Journey Into The Night«

Reste vom Feste, Leichen und Zeichen: »Westworld« ist zurück

Wir hatten die erste Folge der zweiten »Westworld«-Staffel zum Frühstück und haben euch was Leckeres geschrieben. Soviel (spoilerfrei) vorab: »Journey Into The Night« hält die gewohnte Qualität, ist blutig, vertrackt und feiert ihre neue »Miss Badass« Dolores Abernathy.

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Ich merke schnell, dass es keine gute Idee war, die neue Folge von »Westworld« zum Frühstück zu schauen: Kurz nach dem zweiten Biss in das Marmeladenbrötchen sehe ich wie das Fachpersonal des Parks einen erschossenen Indiander-Host aufschneidet. Er setzt das wuchtige Militärmesser auf Stirnhöhe an, zieht es quer rüber, skalpiert den Indianer, schaut auf das Labyrinth im inneren der Kopfhaut, fragt die Runde aus Söldnern und einem zutiefst verunsichterten Bernard Lowe »What the fuck is that?« und prorkelt munter weiter. Die blutige Hirnmasse (die von Nahem betrachtet, durchaus Ähnlichkeit hat mit der Erdbeermarmelade von Den Gamle Fabrik) tropft und schlürft. Dann kommt ein Spezialgerät zum Einsatz, das dem Host einen Glühbirnen ähnlichen Gegenstand aus dem Kopf zieht. Kurz abgewischt, in eine Art iPad gesteckt, und man kann die letzten Sekunden aus dem »Leben« des Hosts sehen. Und damit: eine wunderschöne, blonde Frau, die ihm ins Gesicht schießt und ihm grimmige, letzte Worte hinterherschickt. Die Frage der Runde – »Who the fuck is that?« – hat man als Zuschauer natürlich schon beantwortet. Es ist die ehemals nette Farmerstochter und Badass Nummer 1: Dolores Abernathy.

Diese Serien-Recaps sind ja durchaus ein Minenfeld: Kaum tritt man daneben und verrät zuviel, jagt man bei jemandem die Erwartungen in die Luft und das »Spoiler«-Geschrei geht los. Deshalb versuche ich hier nur ein paar Einblicke zu geben. Man ahnt es schon an der beschriebenen Szene: Ein Teil der Handlung zeigt die Reste vom Feste, wie meine Mutter immer sagte, wenn ich den Partykeller nach einer Feier unaufgeräumt zurückließ. So schlimm wie im »Westworld«-Park sah es bei mir aber nie aus: Ein Massaker reiht sich an das nächste. Da sind die Schlüsselszenen mit dem Indianer am Ufer des Flusses, die große Feier, die am Ende der ersten Staffel eskalierte. Das weiterklimpernde Piano im wieder einmal zerlegten Saloon, in dem diesmal allerdings keiner mehr (auf-)steht. Die dunkel-futuristische Kommandozentrale, in der wie überall tote Hosts und tote Menschen liegen. Zwischen all dem gibt es immer wieder Zwischenspiele, die zeigen, wie Söldner-Kommandos mit Jeeps und schweren Waffen durch den Park ziehen und wie sich die Schlüsselfiguren in spannenden Kombinationen durchschlagen – auf der Flucht oder auf der Suche.

Was hier nacherzählt recht linear und schlüssig klingt, ist zum Glück wieder das Puzzlespiel, wegen dem man die Serie liebt oder hasst. Mit all den Risiken und Nebenwirkungen: Die mit vollen Händen verteilten Zeichen sind wie immer ein amtlicher Brainfuck, bei dem ein jedes in meinem Kopf einen möglichen Handlungsstrang triggert. Gleichzeitig springt man allein mit dem armen Bernard – der von allen anderen anscheinend noch für den Mensch gehalten wird, der er nie war (soviel Spoiler darf sein: Ihr habt ja wohl zumindest Staffel 1 gesehen, wenn ihr das lest), – durch eine Handvoll verschiedener Timelines. Einziges Manko dabei: Im Gegensatz zu der besten Superheldenserie der Welt – »Legion«, die gerade parallel in zweiter Staffel läuft und mein Hirn schon ziemlich beschäftigt – nimmt sich »Westworld« genau dabei manchmal ein wenig zu ernst. Gleiches gilt für die wundervolle Dolores, die einmal zuviel in den Eimer mit der Pathosmarmelade greift. Dafür darf man nun amtlich Angst vor ihr – nicht nur, weil sie mit graziösem Lächeln ihrem Lover und Gefährten Teddy von der Ausrottung oder Unterwerfung der gesamten Menscheit vorschwärmt. Das ist schon auf perverse Weise gruselig. Mit der früheren Szene vor Augen, wie sie in vollem Galopp mit einem Gewehr ein paar flüchtende »Gäste« abknallt, weiß man auch bereits, dass es eher die Option mit A sein dürfte, die sie im Sinn hat.

Man könnte noch so viel verraten und spoilern, aber es ist ja noch früh am Tag und die Folge erst seit ungefähr 3 Uhr morgens mit »Sky Ticket« zu sehen. Deshalb nur soviel: Jeglichen Sorgen waren unberechtigt. »Westworld« ist zurück in alter Form.