×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

USA 2006

Pulse

Wenn Amis asiatische Horror-Klassiker recyceln, kommt selten Gutes dabei raus. Jetzt haben Jim Sonzero (Regie) und Wes Craven (Drehbuch) sich gemeinsam an Kiyoshi Kurosawas “Kairo” (2001) vergangen. Ihre hüftsteife Adaption zeigt eine Gruppe marionettenhafter Highschool-Typen, die sich mit einem mys
Geschrieben am

Wenn Amis asiatische Horror-Klassiker recyceln, kommt selten Gutes dabei raus. Jetzt haben Jim Sonzero (Regie) und Wes Craven (Drehbuch) sich gemeinsam an Kiyoshi Kurosawas “Kairo” (2001) vergangen. Ihre hüftsteife Adaption zeigt eine Gruppe marionettenhafter Highschool-Typen, die sich mit einem mysteriösen Computervirus infizieren und daraufhin von blutrünstigen Phantomen ausgesaugt werden, die sich ihrer wahlweise über eine verfluchte Website oder via Mobiltelefon bemächtigen. So weit, so gähn. Was im japanischen Original als düstere, apokalyptische Zukunftsvision funktioniert, verkommt hier zum öden Kasperltheater. Blasse Darsteller bewegen sich durch eine grau-gelb-grünlich fotografierte, mit der Brechstange auf gruselig getrimmte Welt mit unglaublich gekünstelter Beleuchtung. Kameramann Mark Plummer kommt aus der Werbung und wäre da auch besser geblieben. Zudem zerstört die vor Effekten überbordende, unablässig fiepsende und knarzende Tonspur schon im Ansatz jegliche Atmosphäre. Die Handlung kriecht so zähflüssig dahin, dass man als gepeinigter Schreiberling irgendwann beginnt, im Dunkeln kryptische Sätze aufs Presseheft zu krakeln, von denen man später nur noch wenige entziffern kann, z. B.: “Kaputte Neonröhren röcheln beim Flackern leise”, “Die wohl dunkelste Uni-Bibliothek aller Zeiten” oder “Waschsalon sieht aus wie nordkoreanischer Folterkeller”. In ca. zehn Jahren wird es Retro-Trash-Abende geben, an denen ironische Mittdreißiger all diese schrecklichen “Das Grauen kommt online”-Filmchen schauen und sich über deren einfältige Machart beömmeln werden. Zum Glück ohne mich.