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Precious

Beruhend auf dem Roman „Push“ der lesbischen Autorin Sapphire, ist Regisseur Lee Daniels das Experiment gelungen, eine Story voller Dramatik in einen eingängigen Film zu übersetzen.
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Beruhend auf dem Roman „Push“ der lesbischen Autorin Sapphire, ist Regisseur Lee Daniels das Experiment gelungen, eine Story voller Dramatik in einen eingängigen Film zu übersetzen.

In dem 100-minütigen Drama folgt man der von Vergewaltigungen ihres Vaters geschwängerten Precious (Gabouray Sidibe) auf dem Weg durch ihren brutalen Alltag. Von der herrschsüchtigen und eifersüchtigen Mutter, für deren Verkörperung die grausam auftrumpfende Mo’nique einen Oscar erhielt, bis zu den sie aufgrund ihres fülligen Körpers hänselnden Mitschülern riecht alles für „Precious“ nach düsterer Ausweglosigkeit.



Wenn eine traumatische Situation naht, folgen kurze Fantasien des Glamours. Camp-Bilder der Abwehr. Und wenn gar nichts mehr zu gehen scheint, steht eine lesbische Lehrerin ihr als beste Freundin bei. „Precious“ hätte ein Film voller sozialpornografischer Gesten und Mitleidskitsch werden können. Doch dank der sanften Inszenierung und da die Tragödie nicht breitgetreten wird, ist „Precious“ ein kleines Juwel geworden, das am Schluss die Hoffnung überwiegen lässt. Hinzu kommen ungeschminkte Cameos von Stars der Black Music wie Lenny Kravitz und Mariah Carey. Manch einer munkelt, dass „Precious“ durch das Sponsoring von TV-Soap-Mami Oprah Winfrey zu sehr kalkuliert wäre. Aber dafür scheint er viel zu einfühlsam. Vor ein paar Monaten hat der kenianisch-amerikanische Queer-Theoretiker Tavia Nyong’o bei einem Vortrag zum rassistischen und sexistischen Fall der intersexuellen Olympia-Siegerin Castor Semenya, die aufgrund uneindeutiger Geschlechter-Zugehörigkeit ihre Gold-Medaille aberkannt bekam, auch die übergewichtige Precious als Beispiel eines radikal schwarzen, queeren Körpers genannt. Verdient hätte sie als Survivor der gesellschaftlichen Umstände mindestens auch eine Gold-Medaille.
 


Precious“(USA 2009; R: Lee Daniels; D: Gabourey Sidibe, Mo’nique, Paula Patton; Prokino)