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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Heute Lesung in Köln!

Popfeminismus

Sexualität, Körper, Medien, Do It Yourself, Feminismus und Musik: INTRO-Autorin Sonja Eismann liest heute in Köln aus ihrem Popfeminismus-Reader.
Geschrieben am

'My Body, The Hand Grenade' nannten Courtney Love und ihre Band Hole im Jahr 1997 eine Rare-Track-Compilation. Die Frontfrau weiß den Körper für ihre Zwecke einzusetzen. In Interviews erklärte Love, warum sie sich Schönheitsoperationen unterziehe: "Ich möchte, dass mein Zorn etwas wert ist. Und das ist er nur, wenn ich attraktiv bin." Attraktiv im Sinne der Schönheitsnorm dieser Gesellschaft. Sie weiß: Um gehört zu werden, muss sie das Spiel erst mal mitspielen. Davon ausgehend, lassen sich Dinge dann leichter verändern.

Nicht anders verhält es sich für Frauen in der von Männern dominierten HipHop-Szene. Haben sie die gleichen Möglichkeiten, sich in den Disziplinen Rap, DJing, Breakdance und Graffiti darzustellen wie ihre männlichen Kollegen? Dieser Frage geht die Anthologie 'Female HipHop - Realness, Roots und Rap Models' (Ventil Verlag, 255 S., EUR 12,90) nach. Die Herausgeberinnen Anjela Schischmanjan und Michaela Wünsch beleuchten Rap und dessen Einflüsse: So traf HipHop auf R'n'B und brachte die HipHop-Soul-Diven Mary J Blige und Beyoncé hervor. Alle möglichen Role-Models - von der Bitch über die Gangster-Rapperin, von der Crew-Sahnehaube über die Soul-Sista bis zur True-School-MC - werden porträtiert. Es geht um die Darstellung von Rapperinnen in Musikvideos, deutsche Künstlerinnen kommen zu Wort, Diven und Tomboys werden kritisch betrachtet - insgesamt ein ausgewogener und vielseitiger Reader mit Essays von u. a. Annett Busch, Diedrich Diederichsen und Tim Stüttgen. Zugleich eine Huldigung an die "großen Frauen" im HipHop wie Queen Latifah, Missy Elliott oder Sylvia Robinson, die Produzentin von Sugarhill Records. Schön, dass an bisherige wichtige Publikationen zum Thema von Tricia Rose oder Gabriele Klein angeknüpft wird. Etwas nervig, dass die Beiträge sich teilweise wiederholen. So begegnet man mehrfach Roxanne Shantés Geschichte, die 1984 den Song "Roxanne, Roxanne" von U.T.F.O. mit ihrem eigenen Hit "Roxanne's Revenge" konterte.

Wo 'Female HipHop' aufhört, setzt die von Sonja Eismann zusammengestellte Anthologie 'Hot Topic - Popfeminismus heute' (Ventil Verlag, 369 S., EUR 14,90) erst an. In den Aufsätzen von u. a. Christiane Rösinger, Pauline Boudry und Sarah Diehl geht es darum, persönliche Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu bringen und das Private zum Politikum zu machen. Die "Hot Topics" hat Sonja Eismann in sechs Kapitel untergliedert: Sexualität, Körper, Medien, Do It Yourself, Feminismus und Musik. Der kritische Blick richtet sich auf gängige Verhütungspraktiken, Indie-Pornos oder das immer noch nicht selbstverständliche Recht auf Abtreibung. Es wird "Couch-Politik" betrieben: Chris Köver untersucht TV-Serien wie 'Ally McBeal', 'Grey's Anatomy' oder 'Sex And The City' auf feministische Inhalte. Elke Zobl widmet sich der Historie der Grrrl Zines und der Entwicklung eines internationalen Zine-Netzwerkes. "Fashion is for fashion people. Get out there now and break the rules" - im Sinne dieser Losung der Chicks On Speed setzt Stephanie Müller zur Mode- und Konsumkritik an. Ob Ladyfeste als Strategie der Raumproduktion, Cyberpopfeminismus oder HipHop und sein Verhältnis zum Feminismus (siehe oben) - die Bandbreite der brennenden Themen, die hier verhandelt wird, ist enorm. Theoriebildung steht neben Erfahrungen aus dem Alltag. Ein Foto- und Illustrationsalbum sowie diverse Comics runden das Konzept ab. "Hot Topic" kann in der Tradition des 1998 erschienenen Bandes zu Popkultur und Feminismus 'Lips Tits Hits Power?' gelesen werden und ruft selbstbewusst zu mehr medialer Präsenz des popbezogenen Feminismus auf. Eine attraktive Vorstellung.

Heute abend (22.11.) liest INTRO-Autorin Sonja Eismann aus ihrem aktuellen 'Popfeminismus'-Reader.
Zur Lesung im Kölner Kulturbunker sind natürlich alle möglichen Geschlechter eingeladen!!! Es gibt Texte und Musik rund ums "Hot Topic"

Sonja Eismann und Birgit Binder lesen aus 'Hot Topic - Popfeminismus'.
Im Rahmen von "Reading Pop"

Donnerstag, 22.11.2007
Kulturbunker Köln-Mühlheim
Berliner Str. 20

Einlass: 20.00 Uhr
21.00 Uhr Rhythm King & Her Friends / Lesung Sonja Eismann & Birgit Binder

S-Bahnen S6, S11 bis Bahnhof Mülheim, dann mit dem Bus Linie 152 bis Von-Sparr-Straße
U-Bahnen 17,18,19 bis Wiener Platz, dann weiter mit Linie 4 bis Von-Sparr-Straße