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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Massenphänomen mit Kulleraugen

Vor 16 Jahren: Linus Volkmann über Pokémon

Im Februar 1996 erschienen die ersten Ausgaben der Videospiel Reihe »Pokémon« in Japan. Nach Deutschland schwappte das Massenphänomen im Herbst 1999. Damals setzt sich Linus Volkmann für Intro mit dem Thema auseinander.
Geschrieben am
Die Pokémon sind da. Wer zur Hölle ist das? Und wenn der Tummelplatz jener Pokémon auch - wie es auf den ersten Blick den Anschein hat - das Goldig-Sein ist, können sie darin wirklich besser sein als die Erdmännchenkinder? Für Zuhause Um per japan-invented Pokémon dem lieben Gott den Tag zu stehlen, kann getrost drinnen geblieben werden. Vorerst. Die gar nicht mal wenigen Fakten hierzu in Kürze: Homebase dieser Invasion ist Nintendo, also das N64 und der Gameboy. Es handelt sich um ein Adventure-Game der Façon Such-Trainier-und-Kämpf. In einer Fantasy-Welt müssen putzige Fantasy-Knuddel-Monster gesammelt werden, um mit ihnen Kämpfe zu bestehen (das Spielprinzip reicht zurück zu dem legendären Commodore-Klassiker Mailorder Monsters'). So weit, so straight. Doch ab hier franst es aus. So erscheint das Spiel in zwei Versionen (eine rote, eine blaue). Und um die über 150 Kerlchen collecten zu können, benötigt man - neben viel virtueller Ausdauer und Geschick - alle beide. Oder noch besser: man tauscht! Denn per Verbindungskabel können sich Sammler und Ausbilder der Tierchen ihre Konsolen zusammenstecken. Tauschen oder kämpfen oder beides.  

Für da draußen

Diese Konstellation füllt in Japan, den USA und Australien unzählige Sammlerbörsen und Pokémon-Events. Und erspielte dem Hersteller einen Lizenzumsatz von bis jetzt 9 Milliarden Mark und kurbelte auch den bis dato schleppenden Verkauf der N64-Konsole mächtig an. Europa ist bei diesem Siegeszug die letzte große Station. Der Erfolg des erprobten Prinzips scheint dabei eigentlich nur noch Formsache. Denn Pokémon ist alles. 1500 verschiedene Produkte (Spielzeug, Kleidung, Fast Food etc.), eine eigene Zeitschrift in Millionenauflage und vor allem ein Kinofilm fahren mit in dieser gigantischen Demonstration, was Merchandising mittlerweile bedeuten kann. Revolutionär dabei die Idee; denn hier werden zwei Stränge zusammengefügt, die schon für sich erstaunlich waren. So vereinen die Pokémon das Tamagotchi mit dem Beany. Reale Sammelleidenschaft erweitert oder besser potenziert durch das Pflegen, Suchen, Verhätscheln von irrealen Sympathieträgern.  Für alle. Und keiner soll glauben, daß er um dieses Phänomen herumkommt. Die erste Welle steht schon hufescharrend vor der Tür; und bis es Witze in der Harald Schmidt Show' über Pokémon-Jäger-und-Sammler geben wird, ist nicht mehr lange hin. Ein paar mal werden wir noch wach ... 

Der Kinofilm „

Pokémon The Movie: Mewtwo Strikes Back' (OT) läuft  im Frühjahr 2000 in Deutschland an, der Verkaufsstart des Spiels ist schon jetzt, genauer: am 8. Oktober. Den besten ersten Eindruck holt man sich im TV: Wochentags um 14.30h auf RTL II erleben die Charaktere des Spiels halbstündige Abenteuer. In Cartoonformat à la Sailor Moon' und ähnlich wirr-visionär wie die japanischen Volleyball-Mädchen- oder Fußball-Team- Zeichentrickserien. Auch schön und verfügbar ist Pokémon im Netz. Unter www.pokemon.de findet sich die offizielle Seite mit reichlich Infos, und spielen kann man online auch. Ich gewann bereits ein Abzeichen und darf mich künftig Pokémon-Trainer nennen. Endlich Erfolg. Aber ehrlich gesagt: das Spiel war recht einfach, schließlich ist Pokémon für alle gedacht. Und wird wohl kaum mehr haltmachen.  

Für die Ewiggestrigen, denen diese Geschäftsidee doch zu schlüssig ist, bleiben ja noch die putzigen, authentischen Erdmännchen im Zoo - ohne Superkräfte, aber real und eingeknastet. Alles kann, nichts muß. Popmoderne - da werden Sie geholfen.