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GB 1968

Performance

"Performance" ist ein radikal visueller Film, dessen psychologische Ebene fast ausschließlich über Bilder entschlüsselbar ist.
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Nicolas Roeg war Kameramann, bis er im Alter von bereits vierzig Jahren mit "Performance" zum ersten Mal Regie führte. Die Zusammenarbeit mit Truffaut für "Fahrenheit 451" (1966) dürfte Spuren hinterlassen haben: "Performance" ist ein radikal visueller Film, dessen psychologische Ebene fast ausschließlich über Bilder entschlüsselbar ist, etwa den Einsatz von Spiegeln und Perücken.

Kein Wunder, schließlich entstand "Performance" in den bunten, bildbesoffenen Spätsechzigern. Doch die Geschichte vom Killer Chas (James Fox), der sowohl vor seinen Auftraggebern wie vor der Polizei flieht und schließlich Unterschlupf in der Wohnung des Popstars Turner (Mick Jagger) findet, ist mehr als nur ein verkiffter, mit zahlreichen Montagen, Rätseln und visuellen Effekten spielender Psychedelic-Film.

Er ist aus heutiger Sicht vor allem ein wegweisender Beitrag zur Gender-Dekonstruktion. In der an eine Höhle erinnernden Wohnung von Turner gelingt es dem Macho Chas Schritt für Schritt, seine zwanghaft aufrechterhaltene männliche Fassade abzulegen. Immer tiefer lässt sich Chas in die Parallelwelt aus Drogen, Bisexualität und vermeintlicher Weichheit ziehen - um den Preis, dass er die ihn gefährdende Außenwelt aus den Augen verliert, immer unvorsichtiger wird, genauer gesagt: um in diesen Stereotypen zu bleiben, mit denen "Performance" spielt, immer weiblicher wird. Vielleicht war es dieses Zusammenspiel aus sexuell aufgeladener Stimmung und Männlichkeits-Demontage, die Warner veranlasste, die Aufführung erst einmal zurückzuhalten. Der Film kam erst 1970 in die Kinos. Beim Wiedersehen wird fast nostalgisch deutlich: Hätte Mick Jagger nach "Performance" seine Karriere - vor allem die als Musiker - an den Nagel gehängt, wir hätten ihn alle in bester Erinnerung behalten.

Performance (GB 1968; R: Nicolas Roeg; D: James Fox, Mick Jagger; Warner)