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und weitere Filmstarts und Trailer der Woche

»Nymphomaniac«

Immer donnerstags präsentieren wir euch die wichtigsten neuen Kinostarts und weitere Trailer.
Geschrieben am

»Nymphomaniac«: Die Geschichte der Joe

 

In »Nymphomaniac« fährt Lars von Trier groß auf: Charlotte Gainsbourg, Johann Sebastian Bach, Porno. Aber er dürfte der einzige Mensch sein, der wirklich Spaß an diesem Film hat.

 

Wenn man weiß, dass Lars von Trier 1989 beim Videoclip für Laid Backs »Bakerman« Regie führte, wundert man sich nur solange darüber, dass die Fallschirme der im freien Fall gefilmten Musiker und aller anderen Beteiligten irgendwann aufgegangen sein müssen, bis einem wieder einfällt, dass die vom dänischen Regisseur  gequälten Filmfiguren ja üblicherweise Frauen sind.

Die Protagonistin aus »Nymphomaniac«, die von Charlotte Gainsbourg und Stacy Martin gespielte Joe, hat dann auch nicht ganz so viel Glück wie Laid Back damals. Joe liegt schon zu Beginn des Films am Boden. Tot ist sie zwar nicht, dafür sieht sie geschunden genug aus, um nicht nur den folgenden Rückblick auf ihre Jugendzeit als Schilderung eines Martyriums anzukündigen. Das »Nymphomaniac«-Finale dürfte kaum schöner werden als die Vorgeschichte, allerdings kommt erst mal nur die Hälfte der Story in die Kinos, »Nymphomaniac  2« folgt im April. Bis dahin muss ein bitterer Cliffhanger das geneigte Publikum bei der Stange halten.

 


Joe steht zu Beginn erst mal wieder auf, der Passant Seligmann (Stellan Skarsgard) holt sie von der Straße und bekommt er ihr Leben erzählt. Los geht`s mit dem Duell: Joe ist die »Kranke«, Seligmann ist Jude und Beichtvater, es steckt so etwas wie ein Psychoanalytiker in ihm. Therapeut?  Das würde der düsteren Schicksalshaftigkeit der Filme Lars von Triers widersprechen. Erinnern wir uns an Selmas Weg zur Hinrichtung in »Dancer In The Dark« (2000), und schließlich hat von Trier Kirsten Dunst und den Rest der Menschheit in »Melancholia« (2011) nicht den Flammen preisgegeben, um nun an eine bessere Welt oder an das Bessere im Menschen zu glauben. Für ihn gibt es nur die unabwendbare Katastrophe und das Scheingefecht um einen würdevollen Untergang.

 

Dieser Seligmann in »Nymphomaniac« ist ein einsamer alter Mann, der sich Joes explizite Sexgeschichten nur allzu bereitwillig vor Augen führt, um sie mit  Zahlenmystik, Anglerlatein und Exkursen über Johann Sebastian Bach zu kommentieren.  So als könnte seine Anwendung von Wissen auf Joes Erfahrungen zwei hoffnungslos verlorene Menschen noch retten. Joes Biografie, inklusive dem fürchterlichen Siechtum ihres Vaters, ist das Produkt polyphonen Geschichtenerzählens: Seligmanns Vorstellung existiert neben Joes Perspektive, Lars von Trier ist der wie eine Elster lachende Dritte im Regiestuhl, der Zuschauer ächzt im Kinosessel.  Vorteil: Wo der Blick auf Joes Sexualität zu sehr nach männlicher Phantasie müffelt, kann von Trier alles seinem Seligmann und dessen schmutzigen Gedanken in die Pantoffeln schieben.

 


Lars von Triers Filme sind intensiv. Sein Sinn für Inszenierung, seine Unzufriedenheit mit der Gesellschaft, sein Mut zum Unkonventionellen – dafür könnte man ihn schätzen. Für seine Nazi-Provokationen, anti-amerikanischen Nonsens wie »Dogville« (2003) und das Verhältnis zu seinen weiblichen Figuren muss man ihn ablehnen.  Mit »Nymphomaniac« schafft er keinen Skandal, nicht mal eine Provokation. Er bleibt einfach der misogyne Misanthrop, kurz miese Typ, mit Faible für grausame Spielregeln, der er schon zu »Dogme 95«-Zeiten war,  da ist er konsequent. Und »Bakerman« bleibt  sein einziger Film, den man zwei Mal sehen will. (Wolfgang Frömberg)

 

R: Lars von Trier; D: Charlotte Gainsbourg, Christian Slater, Stacy Martin

 

 

Auf der nächsten Seite: »Monnuments Men« »Killing Time« und »Tarzan 3D«»Monuments Men«

 

George Clooney und seine sieben Kulturretter nähern sich in »Monuments Men« dunkler Geschichte mit uramerikanischem Humor. Die Sicherung von Kunstwerken vor den unersättlichen Nazis hat tatsächlich stattgefunden. Clooneys Sachbuchadaption nimmt sich die Freiheit, historische Fakten abzuwandeln und liefert nicht nur deshalb einen Gegenentwurf zu den bitteren Kriegsstudien des letzten Jahrzehnts.

 

 

 

 

 

»Killing Time«

 

Was machen zwei Killer, wenn das Opfer einfach nicht kommen will? Florian Persic Jr. lässt in »Killing Time« zwei Auftragsmörder im Haus ihres Zielobjektes die Zeit mit Dialogen über Banalitäten totschlagen. Bis ein Streit entbrennt, ob nun Batman oder Superman der Bessere war, und Stimmung sowie Plot zum Kippen bringt.

 

 

 

 

 

»Tarzan 3D«

 

Der Regisseur Reinhard Klooss bringt eine ambitionierte Animationsfassung des Wildmenschen-Klassikers »Tarzan« in die Kinos und stimmt 5 Jahre nach Avatar in ähnlicher Optik kritische Töne zum kapitalistischen Industriezeitalter an. Der von Affen aufgezogene, wie seine Umwelt komplett animierte Titelheld wird dabei nicht nur in den Kampf um die Heimat, sondern auch in eine Adoleszenzkrise geschickt. (Sven Riehle)