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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Hasenohren für David Cameron

»Not A Hero«

Roll7 sind nicht irgendein britisches Spielestudio. Sie haben Videoskateboarding mit »OlliOlli« neu erfunden. Vollbringen sie das Kunststück auch mit Shootern? Fast.
Geschrieben am
Ballerspiele müssen nicht schlecht sein. Aber es gibt einfach zu viele davon. In dieser überfüllten Nische noch auf etwas Neues zu kommen, ist schwierig. Genau das aber schafft »Not A Hero«. Das Spiel ist ein Gewaltexzess aus der 2D-Perspektive. Es macht denselben Trick wie »OlliOlli«; es versteckt seine Innovationen hinter einer groben Pixeloptik. 
»Not A Hero« gibt der Ballerei einen gewissen Rhythmus. Die Auftragshelden müssen ständig nachladen. Sie finden jederzeit im Bildhintergrund Deckung. Kommen sie heraus, können sie auf dem Boden entlangschlittern, in überrumpelte Gegner hineinrauschen, sie umwerfen und exekutieren. Sie können durch Fensterscheiben heraus und eine Etage tiefer wieder hereinspringen, um Gegner umzunieten, bevor die sich umdrehen können.

»Not A Hero« bietet dem Spieler nur eine Handvoll Aktionen, die man dann zu halb geplanten Kombos zusammenfügen kann, um Räume voller Schergen kunstvoll umzubringen. Eben weil das nicht einfach ist, schwimmt man für selige Sekunden im Glück, wenn es gelingt. Dass man die Gewalt kaum wahrnimmt, liegt auch an der Wiederholung. Die Grafik wird schnell unsichtbar, und der Level zu einem reinen Geschicklichkeitspuzzle. Unappetitlich und dumm sind dagegen die wenigen Augenblicke, in denen Menschen um ihr Leben betteln oder sadistisch hingerichtet werden.
Eine Distanz zur Gewalt schaffen soll womöglich auch der Humor. Die Rahmenhandlung dreht sich um Bunnylord, einen Politiker mit Hasenohren, der gewählt werden will, weil sonst die Welt untergeht. Seine Wahlprognosen steigen, je weiter sich der Spieler durch die Level ballert und je mehr Zusatzaufgaben er dabei erfüllt. An die Stelle, wo eigentlich Pointen hingehören, redet der Bunnylord stets irgend einen zufälligen Quatsch. Er mag Milchshakes »mit Schokoladenstreuseln und Geiselstückchen«. Das ist Humor für Menschen, die auch über Würfelergebnisse lachen. In diesen öden Zwischensequenzen, und in den x-ten Wiederholungen auf der Jagd nach frickeligen, optionalen Teilzielen, ist »Not A Hero« schwer zu ertragen. Sonst ist es ziemlich erfrischend.

»Not A Hero« für PC (Roll7 / Devolver Digital), erhältlich bei Steam.