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Noch mehr Jugend von heute

Skins

Die TV-Serie „Skins“ handelt vom intensiven Leben jugendlicher Cliquen in Bristol. Nicholas Hoult und Kaya Scodelario spielen Tony und Effy, deren Erlebnisse im Mittelpunkt stehen.
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Die Crystal Castles durften in der zweiten Staffel immerhin einen Gig spielen. Die musikalische Indie-Welt findet in »Skins« letztlich doch statt – als Kulisse und Untermalung jener Wirklichkeit, die man »Ernst des Lebens« nennt.

Fernsehserien sind nicht nur das Opium der Couch Potatoes. Sie transportieren heute so viel Wirklichkeit wie einst die alten Schlachtschiffe der Popkultur – Kinofilme und Popsongs. Das Superbeispiel dieser Entwicklung, »Skins«, startete im Jahr 2007, aktuell sendet Channel 4 die fünfte Staffel. Die »Skins«-Macher Bryan Elsley und Jamie Brittain (interessanterweise Vater und Sohn) setzen voll auf die Inszenierung jener Intensität, mit der sich Adoleszenz-Dramen nun mal abspielen. Die Crystal Castles durften in der zweiten Staffel immerhin einen Gig spielen. Die musikalische Indie-Welt findet in »Skins« letztlich doch statt – als Kulisse und Untermalung jener Wirklichkeit, die man »Ernst des Lebens« nennt.

Die Hauptfigur der ersten beiden Staffeln wird dargestellt von Nicholas Hoult, Jahrgang 1989. Als kleiner Junge aus »About A Boy« bekannt, spielte er im Film des Designers Tom Ford, »A Single Man«, den verboten gut aussehenden Typ im extravaganten Wollpullover. In »Skins« verkörpert er den von Mädchen umschwärmten Mistkerl Tony Stoneham.

Seine Attraktivität macht Tony zum Mittelpunkt einer Gruppe von Jugendlichen in Bristol. Jede »Skins«-Folge ist einem Charakter gewidmet. Das macht Sinn, weil die Besonderheiten der Porträtierten die Umstände hervorbringen, unter denen Tony und Co. selbst wiederum ihre Individualität als Waffe ins Feld führen. Solidarität wird in diesem Stadium des Lebens Freundschaft genannt, aber Eigenartigkeit ist Ehrensache: Sämtliche Figuren leiden an den üblichen von der Gesellschaft gemachten Neurosen, Ticks und Komplexen.

Jeder Generation bleiben in »Skins« zwei Staffeln, um die Energien vom Konkurrenzkampf abzulenken und lieber gemeinsam Behörden, Lehrer und Eltern zu bekämpfen. Dann rotiert das Ensemble. Allen Freaks stehen eine Menge Drogen als von den Zwängen geheiligte Mittel zur Verfügung – während Amor fleißig mit Pfeilen auf sie zielt. Love is a battlefield.

Tonys Schwester Effy Stoneham ist die einzige Figur, die über ganze vier Staffeln in die Schlacht zieht. Anfangs ist sie noch stumm, doch in Staffel drei und vier sprechen nicht nur Effys resignativ-laszive Mimik und cool-kaputte Körpersprache Bände. Die 1992 geborene Schauspielerin Kaya Scodelario brilliert als Role-Model für Frühreife. Effy ist Zentrum einer neuen Peer Group, in der – sehr clever! – das Erwachen und die Verdrängung von Homosexualität anhand eines Konflikts eineiiger Zwillingsschwestern zugespitzt wird.

Die Repräsentanten realer Typen scheinen ähnliche zu sein wie in Tonys Clique. Aber schnell entpuppen sie sich als unverwechselbare Charaktere. Das ist sowohl guten Skripts als auch einem tollen Cast zu verdanken. Die herausragenden Nicholas Hoult und Kaya Scodelario trafen sich nach der gemeinsamen Arbeit für »Skins« – wie treffend! – 2010 auf einem Schlachtfeld wieder. Beide tauchten am Rande in Louis Leterriers „Kampf der Titanen“ auf. Während Nicholas Hoult im Juni als Beast in »X-Men: First Class« zu sehen sein wird, verspricht Kaya Scodelarios nächster Leinwand-Auftritt einen extrem aufregenden Karriereschritt: Sie schlüpft in die Rolle der unglücklichen Cathy in Andrea Arnolds (»Fish Tank«) Verfilmung von Emily Brontës »Wuthering Heights«.

– »Skins – Hautnah« Staffel 1&2 (DVD & BD; GB 2007&2008; Idee: Jamie Brittain & Bryan Elsley; D: Nicholas Hoult, April Pearson, Mike Bailey, Hannah Murray, Kaya Scodelario; Studio Hamburg)