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J 2004

Nobody Knows

R: Hirokazu Kore-Eda; D: Yuya Yagira, Ayu Kitaura, Hiei Kimura, Momoko Shimizu, Hanae Kan; Sunfilm Mit 36 Millionen Einwohnern in ihrem Ballungsraum ist Tokio die größte Metropolregion der Welt. Wie viele Kinder dort auf der Straße leben, kann nur spekuliert werden. Der Status als Drama über Waisen
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R: Hirokazu Kore-Eda; D: Yuya Yagira, Ayu Kitaura, Hiei Kimura, Momoko Shimizu, Hanae Kan; Sunfilm

Mit 36 Millionen Einwohnern in ihrem Ballungsraum ist Tokio die größte Metropolregion der Welt. Wie viele Kinder dort auf der Straße leben, kann nur spekuliert werden. Der Status als Drama über Waisenkinder vor dieser Wohlstandskulisse garantierte dem Film in Cannes sofort den Tränendrüsen-Bonus. Mutter Keiko zieht mit ihrem Sohn Akira in eine neue Wohnung. Als sie die drei Koffer öffnet, versteckt sich in jedem ein weiteres Kind. Die beiden Mädchen Kyoko und Yuki sowie Brüderchen Shigeru lernen zuerst, dass sie die Wohnung nicht verlassen und auch den Balkon nicht betreten dürfen. Aus der letzten Wohnung mussten sie ausziehen, weil sie zu viel Krach gemacht haben. Nur der Älteste, der zwölfjährige Akira, darf das Haus verlassen, um einkaufen zu gehen. Tagsüber geht Mutter Keiko arbeiten. Abends beschwert sich Tochter Kyoko: "Ich würde gern in die Schule gehen", doch Keiko verneint: "Da würden dich die anderen Kinder bestimmt hänseln, weil du keinen Vater hast." Damit ist das Thema Schule erledigt. Als die Mutter einen neuen Freund hat, kommt sie einen Monat lang gar nicht nach Hause. "Hast du mit ihm schon über uns gesprochen?" fragen die Kinder vor ihrer Abreise. "Ich werde es ihm bald sagen. Zufrieden?" antwortet Keiko genervt. Die Mutter verspricht, Weihnachten nach Hause zu kommen, doch es wird Frühling und Sommer - ohne ein Lebenszeichen von ihr. Akira sucht vermeintliche Väter auf, um sie nach Geld zu fragen. Er ruft auf der Arbeit an, aber da sagt man ihm, dass sie die Mutter auch schon seit einem Monat nicht mehr gesehen hätten. Die Kinder verwahrlosen nun vollends, Strom und Gas in der Wohnung werden abgestellt. Als die Miete nicht mehr bezahlt wird, werden die Vermieter auf die Waisen aufmerksam. Dann fällt Yuki, die Jüngste, vom Stuhl und stirbt dabei. Sie begraben das Mädchen am Flughafen, da sie sich immer gewünscht hatte, Flugzeuge sehen zu dürfen. Akira unternimmt einen letzten Versuch, die Mutter zu finden. Umsonst. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. In dokumentarischem Stil und langen Einstellungen wird die Trostlosigkeit und Einsamkeit der Kinder dargestellt. Um die Situation der Eltern geht es hier nicht. Es ist ein meditativer Film, der mit poetischen Bildern aufwartet und seine traurige Grundstimmung mit den wenigen Glücksmomenten der Kinder aufhellt und erwärmt. Hirokazu Kore-Eda hat ein Jahr lang gedreht, weshalb man die Heranwachsenden bei ihrer physischen Veränderung beobachten kann. Ähnlich wie bei "In Der Höhle Des Gelben Hundes" von Byambasuren Davaa ist die Distanz zu der kleinwüchsigen Familie kleinstmöglich, man ist mit den Kindern gefangen in der winzigen Wohnung. Die Bilder der infantilen Augen und traurigen Gesichter rutschen nur selten ins Kitschige ab, aber der Film hat mit zweieinhalb Stunden definitiv Längen. In den minderjährigen Laiendarstellern hat Kore-Eda großartige Schauspieler gefunden, die in Cannes mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet wurden.