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Und weitere Filmstarts und Trailer der Woche

»Noah«

Darren Aronofsky verfilmt die Geschichte der Arche Noah. Und nach ihm der Shitstorm? Manchem Zuschauer könnte das Popcorn im Hals stecken bleibe, meint Intro-Filmredakteur Wolfgang Frömberg.
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Film der Woche

»Noah«

 

Vor knapp sechzig Jahren produzierte Paramount die bis heute aufwändigste Verfilmung von Passagen des Alten Testaments. In Cecil B. DeMilles Remake seines eigenen Stummfilms spielte Charlton Heston Moses. Ein Erfolg, der dem Waffennarr die Rolle als Ben-Hur einbrachte, mit der er bis zu seinem Tod identifiziert wurde.  Darren Aronofskys neuer, ebenfalls von Paramount produzierter Bibelfilm »Noah« kommt mit weitaus weniger Statisten und Tieren im Cast aus, vermutlich sogar mit weniger als die von der Anmutung ähnliche HBO-Show »Game Of Thrones«. Dafür ist er mit umso mehr CGI-Effekten gesegnet. Auch hat Aronofskys Hauptdarsteller die Rolle seines Lebens schon längst bekommen, er gab den römischen General Maximus bereits für Ridley Scott. Wenn man sich an Charlton Heston als Moses und als Ben-Hur beim Wagenrennen erinnert, kann man einen gewissen Witz darin finden, dass ausgerechnet »Gladiator«-Star Russell Crowe der Auserwählte ist. Das ist wohl jene Sorte Humor, die sich die Aronofsky-Fans von ihm erwarten, und gleichzeitig eine populäre Entscheidung, die Paramount gefallen haben dürfte. 

 

Gut in das Bild des Indie-Regisseurs, der sich zwar für einen Blockbuster verdingt, dabei aber sein eigenes Ding durchzieht, passen Meldungen, das Studio habe den Autorenfilmer mit Vorab-Screenings für religiöse Zuschauergruppen verärgert. Aronofskys finale Version sei mehrfach umgeschnitten worden, jedoch nie mit dem gewünschten Effekt.  Da man keine Schnittfassung gefunden habe, die erheblich weniger Verstörung und Verärgerung  beim Testpublikum auslöste, sei man letztlich zu Aronofskys Cut zurückgekehrt. »Noah« ist demnach hundertprozentig ein Film, der sich nicht bloß an finanziell erfolgreichen anderen Bibel-Adaptionen messen lassen muss, sondern eine Herzenssache, die dem Selbstverständnis Aronofskys gerecht werden sollte, jedem Stoff seinen Stempel aufzudrücken.

Ärger ist vorprogrammiert, wenn Religion und Kunst aufeinandertreffen, so lange »religiöse Gefühle« verletzt werden können, und sei es durch vernünftige Ideen. Peter Jackson weiß das gut. Deshalb hielt er sich eng an die heiligen Rollen Tolkiens, als er »Der Herr der Ringe« verfilmte. Im Ernst: Jackson hat Aronofsky  sichtlich inspiriert. Diverse Fantasy-Elemente in »Noah« erinnern etwa an die Ents oder an die Schlacht der Könige. Mit einem Filmhelden, der in den Schriften der drei großen monotheistischen Weltreligionen vorkommt, tat Aronofsky allerdings  gut daran, sich auch in Bücher zu stürzen, die noch orthodoxere Anhänger haben als die Mittelerde-Saga. Das Skript, das er daraufhin mit seinem Partner Ari Handel verfasste, enthält spannende Twists. Wendungen, mit denen Aronofsky die Meinungen reihenweise spalten dürfte.  Dabei ist Aronofsky sich schlicht treu geblieben. Schon mit »Requiem For A Dream« (2000), »The Wrestler« (2008) und »Black Swan«  (2010) hatte er Geschichten erzählt, in denen die handelnden Figuren nicht einem Schicksal ausgeliefert sind, dem sie sich entgegenstellen könnten. Aronofsky mag ganz offensichtlich Geschichten, in denen sich die Helden derart in ihr Schicksal fügen, dass sie dieses irgendwann mit Haut und Haar verkörpern.  Ob sie nun wie in der Hubert Selby-Adaption von Drogensüchtigen handeln, deren Siechtum der gleichen Logik folgt wie der Lauf der Jahreszeiten;  von einer perfektionistischen Ballerina, die sich als sterbender Schwan erst im Tode selbst verwirklicht; oder von einem abgehalfterten Catcher, dem das Leben wie seinem Darsteller Mickey Rourke  ins Gesicht geschrieben steht.

 

 

Der biblische Noah verkörpert das Schicksal der Menschheit. Im Alten Testament tut er alles dafür, dem gerecht zu werden. Der Allmächtige, in der Originalfassung des Films immer »Creator«,  nie »God« genannt, zeigt sich in den Psalmen zur Sintflut wankelmütig. So lässt er Noah und die Seinen neben den Tieren am Leben, obwohl er erkennt, dass auch nach der Katastrophe das Böse ewig ein Teil des Menschen bleiben wird. Aronofsky, den diversen Henoch-Überlieferungen der jüdischen Mystik zugetan, dürfte weniger Gläubige und Ungläubige provozieren als Mel Gibson und Martin Scorsese mit ihren Jesus-Filmen, Teilen des Publikums könnte aber das Popcorn im Hals stecken bleiben. Dialoge und Gesten kommen zunächst so hölzern rüber wie in einem B-Movie, auch die steinernen »Watcher« wirken  unbedarft.  Doch »Noah« folgt bewusst einer Achterbahn-Dramaturgie. Das Massaker, in dem sich die gefallenen Engel  im Kampf gegen den ausgesperrten Mob beinahe wie Selbstmordattentäter für die Arche opfern, ist heftig.

 

Interessant auch, dass sich Noah zum selbstgefälligen Eiferer auf dem Öko-Trip entwickelt, der durchaus Margret Thatchers Credo »There is no such thing as society« murmeln könnte, während die fürchterlichen Schreie der draußen Sterbenden im Bauch des Schiffes widerhallen. Längst ist die Arche nicht mehr der friedliche  Bioladen voller schlummernder Fabelwesen, als es zum Showdown zwischen Noah und Rivale Tubal-cain (Ray Winstone) kommt. Tubal-cain glaubt nicht an die Fügung, sondern an den freien Willen des Menschen und will Noahs Sohn Ham (Logan Lerman) davon überzeugen. Aber neben dem Rest der Menschheit werden auch alle übrigen Charaktere des Films, unter anderem gespielt von Jennifer Connelly, Anthony Hopkins und Emma Watson, Noahs Egozentrik geopfert. Und angesichts der ambivalenten Verwicklungen,  in denen der Regisseur Geschlechterrollen, Gut-Böse-Schemata sowie die Idee der göttlichen Schöpfung nie in Frage stellt, wählt Aronofsky  als i-Tüpfelchen auch noch ein Ende unterm Regenbogen, das zwar vom Alten Testament abweicht, von dem man sich jedoch wünscht, es wäre Paramounts Idee gewesen.

 

(Wolfgang Frömberg)

 

Auf der nächsten Seite: weitere Trailer und Filmstarts der Woche

»A Long Way Down«

 

Nach »High Fidelity« oder auch »About a Boy« kommt nun also »A Long Way Down«. Er ist mittlerweile die sechste Verfilmung eines Nick Hornby Bestsellers. Wieder einmal ist die Geschichte eine Mischung aus Drama und Komödie. So wollen sich die vier Hauptcharaktere (u.a. Pierce Brosnan, Aaron Paul) in einer Silvesternacht unabhängig voneinander das Leben nehmen. Wie der Zufall es will, wollen sie alle vom selben Hochhaus springen. Durch das unerwartete Aufeinandertreffen beschliessen die Vier ihren Suizid auf Valentinstag zu verlegen.  Man darf gespannt sein ob und wie lange dieser Nicht-Selbstmord-Pakt anhalten wird.

 

 

 

 

»In Fear«

 

Regisseur Jeremy Lovering's Karriere begann beim britischen Fernsehen und zuletzt inszenierte er sogar eine Folge der BBC-Erfolgsserie »Sherlock«. Im Kino-Bereich war er bisher als Second-Unit-Regisseur bei »Hot Fuzz« tätig bis er jetzt seinen ersten Kinofilm drehte. »In Fear« heißt er und der Name beschreibt den Inhalt des Films ganz gut. Ein frisch verliebtes Pärchen ist auf dem Weg zu einem Musikfestival und wollen auf dem Weg dorthin in einem Hotel auf dem Land übernachten. Was sich erst nach einer romantischen Idee anhört entpuppt sich schnell als böser Alptraum. Mitten im Nirgendwo verfahren sie sich und merken schnell, dass jemand oder etwas hinter ihnen her ist und mit ihnen und ihrer Angst spielt. Ob die Situation besser wird, wenn man einen fremden Anhalter mitnimmt?

 

 

 

»Snowpiercer«

 

Wenn man nur nach Filmen gehen würde, sieht unsere Zukunft wirklich nicht rosig aus. Entweder die Sonne explodiert, der Erdkern hört auf sich zu drehen oder die Welt ist so überbevölkert, dass man unwissend Menschenfleisch isst. In »Snowpiercer« hat die Menschheit 2031 beim Versuch die globale Erwärmung zu stoppen eine neue Eiszeit geschaffen. Die wenigen Überlebenden finden Zuflucht in einem Zug, der, angetrieben durch ein Perpetuum Mobile, die ganze Zeit durch Eislandschaften fährt, in denen kein Leben mehr möglich ist. Im vorderen Teil leben die Reichen, denen es an nichts mangelt. Während der Großteil im hinteren Bereich zusammengepfercht lebt. Ein Zweiklassensystem, welches instabiler nicht sein könnte. So proben die Protagonisten (u.a. John Hurt, Chris Evans, Jamie Bell) des hinteren Bereichs den Aufstand und versuchen sich nach vorne durchzukämpfen um die Gewalt über den Zug, den sogenannten Snowpiercer zu erlangen.

 

 

 

(Fiete Oberkalkofen)