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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Wiir spielen mit

Nintendo Wii

Nintendo-Chef Satoru Iwata hat eine »Revolution« angekündigt. Nach dem Nintendo DS folgt jetzt die Wii. Gregor Wildermann hat die neue Konsole für uns getestet.
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Wie oft mussten wir uns das schon anhören: Die dritte oder vierte Nachkriegsgeneration scheitert am Pisa-Test, ist unterdurchschnittlich sozial engagiert und jettet dafür lieber für irgendeinen Rave ans andere Ende der Welt. Für Schweinebucht und Prag sind wir zu jung, für Mandela und Mauerfall weder schwarz noch schwindelfrei. Revolution Fehlanzeige, und ein rundes Sommermärchen macht auch noch kein episches Buch. Bleiben die kleinen Revolutionen des Konsumalltags, bei denen wir uns beweisen können. Und jetzt hat es tatsächlich auch noch die Videospiele erwischt. Nichts soll mehr wie gestern sein, und das verdanken wir denen, die den Kampf um die Zukunft so gar nicht mehr gewinnen konnten.

Gemeint ist Nintendo, die bereits vor der Jahrhundertwende Spielkarten produzierten, unsere Generation im Kinderzimmer mit Mario, Gameboy & Co. begleiteten, dann aber irgendwie auf ihren bunten Markenfiguren hängen blieben. Gegenüber Sony und Microsoft, die im Rüstungswettkampf der Konsolen immer höher auftrumpften, schien Nintendo mit ihrem Gamecube bei erwachsenen Spielern den Anschluss verpasst zu haben. Das ahnte vor drei Jahren auch Nintendos neuer Chef Satoru Iwata, der von seinen Entwicklern im großen weißen Hauptgebäude in Kioto nicht weniger als eine Revolution verlangte. Spielen sollte wieder Spaß machen. Und Nintendo sollte sich wieder Spielen widmen, die ähnlich einem »Mensch ärger dich nicht«-Brettspiel für Menschen von 9 bis 99 geeignet sind. Erster Schachzug des Revolutionsführers Iwata: der heimliche Tod des normalen Gameboys und der Auftritt des Nintendo DS, der im letzten Jahr mit Touchpad-Steuerung tatsächlich eine erste Revolution für mobiles Spielen brachte.
Der zweite Schachzug sollte jedoch noch viel wichtiger sein und war doch zuerst ein extrem gewagtes Manöver: Im Mai 2005 kündigte Iwata eine neue Konsole, zunächst unter dem Namen »Revolution«, an. Doch Anfang 2006 wurde es konkreter, und ein neuer Name sorgte beinahe für ein Fiasko. Wii heißt die Konsole, und was reimt sich darauf wohl in Angelsachsen? Doch babylonische Wortscherze wirft man schnell vom Turm, wenn die hochkantig aufgestellte Wii erst mal eingeschaltet ist. Dabei wurde die Revolution aus dem Kasten herausgeholt und in unsere Hände verlegt. Denn die eigentliche Attraktion ist der schmale Controller, der nicht zufällig an eine Fernbedienung erinnert, technisch ähnlich funktioniert und dabei einem multifunktionalen Dirigentenstab ähnelt. Jede eigene Handbewegung wird nun auf das Spiel übertragen, und das in allen Dimensionen. Was früher mehr oder weniger schon mal bei Lightgun-Spielen funktionierte, wird nun zum Kern jedes Wii-Spiels. An der neuartigen Fernbedienung mit eingebautem Lautsprecher hängt noch der Nunchuk-Controller, den man mit der anderen Hand bedient und damit die moderne Hampelmann-Nummer komplett macht.  
An Beispielen für diese Art von Game-Work-out mangelt es nicht: Bei »Wii Sports« schwingt man Tennisschläger, Golf-Rackets oder Baseballschläger und sollte dabei vorher kontrollieren, welche zerbrechlichen Gegenstände in Sofanähe dem Schwung im Wege sein könnten. Im Yakuza-Spiel »Red Steel« kämpft man mit zwei Samuraischwertern und darf erstmals wie in »Kill Bill« hauen und stechen. Wer in »Call Of Duty 3« mit seinem Gewehrkolben einen Kinnhaken austeilen will, muss im richtigen Moment auch mit dem linken Controller ausholen. Im epischen »Legend Of Zelda: Twilight Princess« geht Link angeln und mit Pfeil und Bogen auf die Jagd. Und klar, wenn der Fisch am Haken ist, zieht man den Controller schnell nach hinten oder spannt den Bogen, als käme Robin Hood im eigenen Stammbaum vor.
Was vielleicht am Anfang noch ungewöhnlich erscheint, weil es so überraschend natürlich ist, wird schon bald zur neuen Sucht. Es mag dabei auch ein wenig an Kirmesgaudi und Kindergeburtstag erinnern, aber gerade dieses Gefühl war bei manchem Sony- und Microsoftspiel in letzter Zeit verloren gegangen. Und wie bei Topfschlagen und Schokokuss-Schlacht ist bei den maximal vier Spielern wieder Geschicklichkeit gefragt: In »Rayman: Raving Rabbits« haut man knuddeligen Terrorhasen auf die Löffel oder muss in »Super Monkey Ball: Banana Blitz« sein Gefühl für die richtige Balance beweisen. In »Wario Ware: Smooth Moves« wird der Wahnsinn dann ganz auf die Spitze getrieben, denn hier wechseln die Mini-Spiele alle 30 Sekunden und treiben sofort den Schweiß auf die Stirn. Und wie bei vielen anderen Wii-Spielen das Grinsen ins Gesicht. Selbst bisher völlig dröge Sportarten wie American Football könnten dank Wii erstmals Spaß machen, weil man nun in »Madden NFL 07« tatsächlich die Hand zum Wurfball ausholen muss oder einen Gegner anrempeln kann. Und das Autorennspiel »Monster 4x4 World Circuit« wird mit herrlich bescheuertem Schaumstofflenkrad ausgeliefert, in das der Wii-Controller quer eingesteckt wird. Ob wirklich alle Wii-Titel in der direkten Umsetzung Sinn machen, wird sich erst wieder beweisen müssen. Erste Testberichte von »SplinterCell: Double Agent« in der Wii-Version lassen durchhören, dass durch die Steuerung vieles komplizierter wird, als es sein müsste. Wii play together? Es ist bestimmt mehr als nur ein Versuch wert. Mit Nichten. Und Tanten vielleicht auch.

Nintendo Wii
erhältlich ab dem 8. Dezember
ca. EUR 249,- inklusive »Wii-Sports«
www.nintendo.de     

Nintendo

Nintendo Wii - Konsole weiß inkl. Wii Sports