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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Zwölf

Nick Mcdonell

Wem die gegenwärtige Generation amerikanischer Politiker Angst macht, dem wird nach der Lektüre von "Zwölf" erst recht angst und bange werden. Denn wenn die Generation, die McDonell in seinem Roman beschreibt, einmal an die Macht kommen sollte, gibt es wenig Gutes zu erwarten. McDonells heranwachsen
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Wem die gegenwärtige Generation amerikanischer Politiker Angst macht, dem wird nach der Lektüre von "Zwölf" erst recht angst und bange werden. Denn wenn die Generation, die McDonell in seinem Roman beschreibt, einmal an die Macht kommen sollte, gibt es wenig Gutes zu erwarten. McDonells heranwachsende Protagonisten ludern herum, achten sorgfältig auf ihre Statussymbole, lassen sich hin und wieder schön operieren und nehmen oder verkaufen Drogen. Und McDonell sollte es eigentlich wissen. Denn er ist keiner dieser Reporter, die auf deutschen Privatsendern erzählen, dass Blowjobs bei amerikanischen Teenagern gerade total in seien. McDonell ist einer von denen, die in seinem Roman vorkommen - selbst gerade mal 17 Jahre alt. Dementsprechend ist man geneigt, ihn beim Wort zu nehmen.

McDonell erzählt also in "Zwölf" die Geschichte von White Mike, einem jungen Drogendealer, der in den Weihnachtsferien hofft, den aus den Internaten heimgekehrten Kids seinen Stoff verkaufen zu können. Dabei bedient McDonell sich einer Erzählweise, die stark von amerikanischen Daily Soaps geprägt ist: Die Geschichte ist in kurze Episoden eingeteilt, die Orte und Personen ändern ständig. Wie ein Kameramann verfolgt McDonell seine zahlreichen Protagonisten. Die wirken dann auch interessanterweise so wie Soap-Darsteller: Als müssten sie bestimmte Texte aufsagen, stolpern sie durch Kulissen, die nach Pappmaschee riechen. Junge Leser werden diese Technik zweifellos begrüßen, anderen wiederum dürften die Charaktere eindimensional und stereotyp vorkommen. Wobei die holprige Übersetzung durch den 1956 (!) geborenen Thomas Gunkel sicherlich ihren Teil zu der unwirklich erscheinenden Darstellung der Verhältnisse beiträgt.

(KiWi, 231 S., EUR 7,90)