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Neon überbackenes Schuld-und-Sühne-Märchen

Enter The Void

Mit seinem neuen Werk »Enter The Void« hält Gaspar Noé den Zuschauer erneut demonstrativ über den Abgrund.
Geschrieben am

Wenn man den Ruf als Skandalfilmer erst einmal weghat, kann man wahrscheinlich nicht mal mehr eben so mit Meg Ryan drehen. Trotzdem ist kaum jemand so stolz auf seine filmischen Rosskuren wie »Irréversible«-Regisseur Gaspar Noé, und deshalb wird man auch in "Enter The Void" mal wieder demonstrativ über den Abgrund gehalten. Die Story kreist um einen jungen Drogendealer, der relativ früh draufgeht, es sich aber nicht nehmen lässt, auch den Rest der Ereignisse aus der Ego-Shooter-Perspektive zu schildern.
Das wiederum ergibt einen einzigen 160-minütigen Powertrip durch das nächtliche Tokio und fühlt sich an wie eine Injektion mit schlecht gestreckten Drogen - soweit man das als Abstinenzler beurteilen kann.

Dabei geht es nicht nur um den visuellen Reiz eines endlosen Prodigy-Videos, sondern vermutlich auch um so etwas wie ein in Neon überbackenes Schuld-und-Sühne-Märchen. »Enter The Void« residiert aufreizend selbstbewusst an der Schnittstelle von Kino und Kirmes, was vor allem eine ästhetische Entscheidung gewesen sein muss. Der relative Mangel an herkömmlicher Handlung schreckt schließlich nur Spießer ab und gibt den Eingeweihten mehr Beinfreiheit beim Genuss ihres neuesten Kultfilms.

Intro empfiehlt: »Enter The Void« (F 2009; R: Gaspar Noé; D: Nathaniel Brown, Paz de la Huerta; Capelight)