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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

München war sein Hollywood

Nachruf auf Helmut Dietl

Der Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Helmut Dietl ist im Alter von 70 Jahren nach längerer Lungenkrebs-Erkrankung verstorben.
Geschrieben am
Mit Helmut Dietl ist einer der letzten deutschen Filmemacher gestorben, die mit Hollywood-Größen wie Woody Allen und Billy Wilder verglichen werden können. Statt als deutschen muss man ihn auch eher als Münchener Regisseur betrachten. So treu wie Dietl ist sonst keiner München als Dreh- und Angelpunkt geblieben. Ausnahmen bestätigen die Regel: Sein großer Kinoerfolg »Schtonk« (1992) spielte in Hamburg, mit dem letzten Spielfilm »Zettl« verschlug es Dietl zwanzig Jahre später nach Berlin.  Dennoch bleibt das Bild des Münchner Salonlöwen im Gedächtnis. Dietl schien nach außen hin das Schickeria-Leben genussvoll zu verkörpern – in weißen Anzügen verströmte er die Aura von Schampus und Kaviar, gemeinsam mit Veronica Ferres bildete er eine Zeitlang das Gala-Paar des deutschen Films -, und für die illustre TV-Szene spielte er den schillernden Ensembledaddy, ähnlich wie Robert Altman für Hollywoods Créme de la créme.  Wer ihn in einer Talkshow erlebte, merkte schnell, woher der Dialogwitz stammte. 

Die längerfristige Arbeit mit deutschen Stars und Charakterdarstellern perfektionierte Dietl nicht im Theater, sondern durch seine Fernsehproduktionen. »Münchner Geschichten« war der erste Mehrteiler, den er Mitte der Siebziger Jahre drehte, es folgte »Der ganz normale Wahnsinn« – dann kamen »Monaco Franze« und »Kir Royal«. Mit diesen beiden Shows landete er in den Achtzigern, als Fernsehserien über US-Importe wie »Dallas« noch größere Bedeutung fürs deutsche TV-Abendprogramm bekommen sollten, zwei Hits, die heute Klassiker sind. Der seriöse Theatermann Franz Xaver Kroetz ließ sich von den kunstvollen Drehbüchern, an denen Bestseller-Autor Patrick Süskind (»Das Parfüm«) mitschrieb, hinterm samtenen Vorhang hervor locken, um vor der Kamera den Boulevard-Journalisten Baby Schimmerlos zu mimen. Babys Redewendungen schafften es wiederum aus dem Fernsehen bis in den Alltag des TV-Volks, das die letzten Jahre des Kalten Kriegs gut unterhalten auf dem Sofa verbringen konnte.  Helmut Dietl nahm den Schwung mit in die Neunziger. In seiner Filmversion der Story von den gefälschten Hitler-Tagebüchern macht er sich nicht nur über die Witzfiguren der Medienbranche lustig, er ließ auch eine Gesellschaft im Hintergrund auftauchen, in der Hitler ein gefragter Prominenter ist. Eine Tatsache, an der sich bis zu Helmut Dietls Tod am 30. März nichts geändert hat. 

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Release: 26.03.2015