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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

und weitere Filmstarts und Trailer der Woche

My Name Is Khan

Wie jeden Donnerstag: Die wichtigsten neuen Kinofilme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden von unserem Filmfachmann Alexander Dahas.
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Wie jeden Donnerstag: Die wichtigsten neuen Kinofilme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden von unserem Filmfachmann Alexander Dahas.

My Name Is Khan (Foto)
R: Karan Johar; D: Shah Rukh Khan, Sheetal Menon, Benny Nieves etc.
Wer bei der Berlinale fleißig war, braucht später nicht mehr so oft ins Kino. Alte Filmkritikerregel. So kommt es, dass heute praktisch alle Kinostarts ihre Premiere bei den Filmfestspielen hatten, und "My Name Is Khan" die wahrscheinlich opulenteste. Als fast dreistündige US/Bollywood-Koproduktion kann man sich das Werk ungefähr so vorstellen wie "Forrest Gump" von Roberto Benigni gedreht, nur doppelt so bunt.

Darin geht es um einen autistischen Inder in den USA, der nach den Terroranschlägen vom 11. September erfährt, was es bedeutet, von dummen Hooligans als Moslem angesehen zu werden. Nachdem sein kleiner Sohn auch noch zum Gewaltopfer wird, beschließt Khan, James Stewart-mäßig nach Washington zu gehen und dem Präsidenten sein Leid zu klagen.

Die Toleranzbotschaft dieses ausladenden Märchenfilms baut sich vor allem über hemmungslosen Vollkontaktkitsch auf, der flutartig alle subtileren Momente davonspült und zwischen tröstlich und unplausibel hin und herpendelt. Man könnte argumentieren, dass der Film damit sein Publikum da abholt, wo es sich eh schon die meiste Zeit herumtreibt, man kann natürlich auch über die angewandte Shock & Awe-Taktik herziehen. Für das, was es ist, ist es allerdings ein durchschlagender Erfolg. 



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Wie jeden Donnerstag: Die wichtigsten neuen Kinofilme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden von unserem Filmfachmann Alexander Dahas.

Cindy liebt mich nicht
R: Hannah Schweier; D: Clemens Schick, Peter Weiß, Anne Schäfer etc.
Dass es auch eine Nummer kleiner geht, sieht man auf der Berlinale zum Beispiel bei der "Perspektive Deutsches Kino", wo Erstlingsfilme und Abschlussarbeiten einem verwöhnten Publikum mit 1000 Filmen auf dem Buckel vorgeworfen werden, als sei das irgendwie fair. Nicht unsympathisch dabei: "Cindy liebt mich nicht", bei dem sich die Regisseurin offenbar den Traum erfüllt hat, ihre mysteriöse Hauptdarstellerin gleich von drei liebestollen Verehrern umschwärmen zu lassen. Erst wissen die drei noch nichts von ihren jeweiligen Nebenbuhlern, aber angesichts einer solch faszinierenden Frau kann man natürlich auch mal die Eifersucht zurückstellen und sich gemeinsam in den Karmann Ghia setzen, oder? Spötter sagen, der Film sei so etwas wie ein 90-minütiger 2raumwohnung–Clip, aber warum sollen junge Frauen im Grundstudium nicht auch einmal vom Marlboro-Mann träumen dürfen?



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Wie jeden Donnerstag: Die wichtigsten neuen Kinofilme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden von unserem Filmfachmann Alexander Dahas.
 
Mammut
R: Lukas Moodysson; D: Gael Garciá Bernal, Michelle Williams, Marife Necesito etc.
Keine Lorbeeren konnte sich dagegen das aktuelle Werk von Lukas Moodysson ("Lilya 4ever") verdienen, das einen weiteren sozialen Missstand in globalisierten Zeiten thematisiert und dabei streckenweise stark an den ähnlich gelagerten „Babel“ erinnert. In "Mammut" vernachlässigt ein junges Karrierepaar seine achtjährige Tochter so sehr, dass es plötzlich Neidgefühle gegen die philippinische Kinderfrau entwickelt, die diesen Job nur ausübt, um ihrerseits die daheimgebliebenen Kinder durchzubringen. Krasse Gegensätze also in einer Welt, die dem Familienleben zunehmend Marktlogiken aufzwingt und dabei immer noch schlimmere Verwerfungen kennt. Doch auch wenn der Vorwurf steht, ist "Mammut" ein seltsam emotionsloser Film, der die Problematik angeht wie der sprichwörtliche BWLer ein Partygespräch: sachlich, langweilig und ein kleines bisschen besserwisserisch.



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