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D 2006

Montag kommen die Fenster

In Ulrich Köhlers Film steht niemand so recht mit beiden Beinen auf der Erde. Manche kippen einfach so um, andere sterben bei einem Fahrradunfall statt, wie vorgesehen, an einem Herzleiden. Die Menschen leben in erst provisorisch eingerichteten Häusern oder wirken in ihrer Umgebung grotesk fehlplatz
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In Ulrich Köhlers Film steht niemand so recht mit beiden Beinen auf der Erde. Manche kippen einfach so um, andere sterben bei einem Fahrradunfall statt, wie vorgesehen, an einem Herzleiden. Die Menschen leben in erst provisorisch eingerichteten Häusern oder wirken in ihrer Umgebung grotesk fehlplatziert. Die Ärztin Nina können nicht einmal Blutsbande erden.

Einer plötzlichen Eingebung folgend, verlässt sie Mann und Kind, quartiert sich in der Ferienwohnung ihrer Eltern ein und lässt sich einfach so treiben. Wie schon in "Bungalow" formt Köhler seine Hauptfigur nach dem Modell von Herman Melvilles Büroangestelltem Bartleby, der eines Tages ohne Angabe von Gründen anfing, die Erledigung der ihm aufgetragenen Arbeiten abzulehnen.

Diese Art der Rebellion scheint dem Regisseur offenkundig die einzig mögliche in einer als diffus, grau und konturenlos erfahrenen Welt - nur wie ein Lied aus uralter Zeit erklingen in "Montag" noch Ton Steine Scherben. Wer dagegen draußen keine Nebelbänke, sondern einen eigentlich immer klarer hervortretenden Kapitalismus sieht, der wird an der vom Filmemacher beschworenen möglichen Verweigerung keine rechte Freude haben, zumal an weltverrätselnden
Kino-Werken derzeit kein Mangel herrscht.