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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mitleid ist ein warmes Gewehr: Preview und Verlosung

Anvil – Die Geschichte einer Freundschaft

"Anvil – Die Geschichte einer Freundschaft" zeigt, dass man keine Millionärs-Combo sein muss, um total durchzudrehen.
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Die Metallica-Doku "Some Kind Of Monster" zeigte, wie weit unten man ganz oben sein kann: Rockstartum ist komplett psycho. "Anvil – Die Geschichte einer Freundschaft" zeigt nun, dass man keine Millionärs-Combo sein muss, um total durchzudrehen.

Bei "DSDS" gibt es eine über die Jahre immer bedeutsamere Figur: Menderes. Ein blasser, migrantischer Nerd, der Michael Jackson nachpiepst und sich in jeder Staffel wieder bei den Castings abstrafen lässt. Vom notorischen Drop-out krebste er sich nach fast zehn Jahren Dauerablehnung nun mittlerweile zum achtbaren Kuriosum hoch. Menderes ist die biestige Potenz der enttäuschten Drecks-Träume all jener, die so gern „irgendwas mit Star" wären. Ruhm ist Handelsware in der Postmoderne, und einige verwirrte Zombies vor den Toren nehmen die dazugehörige Kulisse der ewigen Verheißung – verständlicherweise – todernst.

Die Überleitung auf die kanadische Thrash-Metal-Band Anvil könnte leichter nicht sein: 1984 spielten sie in Japan eine Stadiontour mit den Scorpions, Bon Jovi und Whitesnake und galten als Inspiration für u. a. Slayer und Metallica. Ja, Lars Ulrich lässt sich sogar zitieren mit den Worten „Anvil – das war ein Statement. Als ich sie zum ersten Mal hörte, dachte ich: ‘Fuck! Die werden die Musikwelt auf den Kopf stellen." Es kam anders. Alle Bands aus dem damaligen Dunstkreis wurden Monumente in Rock, nur Anvil versandeten – ungeachtet der Tatsache, dass sie weiterhin existierten und Album um Album raushauten.

Der Film über die Band setzt im Jetzt an. Sänger Lips fährt irgendwo in der Provinz von Ontario Essen aus – ein halber Aushilfsjob für einen fast 50-Jährigen! Doch mehr Zeit kann der Familienvater für die Alltagsmühle nicht entbehren. Schließlich muss er proben, Flyer drucken, bei Plattenfirmen vorsprechen, kämpft er doch seit über 30 Jahren dafür, endlich Rockstar zu werden. Der Film um die rührenden Stehaufmännchen, ihre Billo’n’Draufzahl-Tour durch Ost-Europa und Metaller am Rande des Nervenzusammenbruchs wurde nun zum Glücksfall für die Band. Ein bisschen fühlt man sich ans obszöne Help-TV erinnert, wo erst kaputte, tumorkranke Familien in der Wellblechhütte leben und dann von der Dorfgemeinschaft ein neues Heim gebaut bekommen, weil die von der Kamera aufbereitete Geschichte so rührend war. Für Anvil ist das egal, zur Not ist Mitleid eben auch eine Waffe. Lips auf Nachfrage: „Wir sind jetzt auf der ganzen Welt wieder groß, spielen wieder die guten Festivals – auf Wiedersehen scheiß Dayjobs!"


Aber der Film lohnt sich nicht nur für die plötzlich nach Äonen wieder angesagte Band. Denn kaum eine Musik-Doku überhaupt besitzt den Witz, die Entblößung und die Kraft, die "Anvil – Die Geschichte einer Freundschaft" ausstrahlt. Hierfür Sorge trägt Sacha Gervasi. Der Fan erster Stunde und mittlerweile etablierte Filmemacher führt kongenial durch das widerspruchsreiche Spannungsfeld einer Inszenierung der absoluten Aufrichtigkeit. Manche Momente schielen sogar kokett zu einer Realentsprechung der legendären Mockumentary "This Is Spinal Tap". Dennoch nimmt man den tragischen Helden jederzeit alles ab. Ihre Tränen, die Naivität, all die Verzweiflung und vor allem die ungebrochene Hoffnung. So besitzt "Anvil – Die Geschichte einer Freundschaft" schon fast religiöse Züge. Eine entbehrungsreiche, Jahrzehnte übergreifende Pilgerreise zum Rockstar-Fame. Dass das Happy End im Leben sogar noch das des Films übertrifft, grenzt in dieser Metapher fast schon an einen Gottesbeweis. Ein nicht vorgesehener Außenseitersieg der Verdammten. Piss off, Kulturindustrie! Halt durch, Menderes!

Anvil – Die Geschichte einer Freundschaft
(USA 2008;R: Sacha Gervasi; 11.03.)

Wir velosen 10 Kinoplakate, 10 T-Shirts, 50 Buttons und 15 Autogrammkarten zum Film. Eine Mail an verlosung@intro.de mit dem Stichwort "Anvil" genügt.

Außerdem präsentieren wir die heutige Premiere + Party im Kölner Gebäude 9 für die wir 15x2 Tickets verlosen. Eine Mail an verlosung@intro.de mit dem Stichwort "Anvil im Gebäude" genügt.Einlass ist 20 Uhr. Im Anschluss an die Vorführung wird es Leckerbissen aus den Archiven der Intro-Metal-Redaktion geben.

Wer die Preview im Gebäude 9 verpasste, hat am kommenden Montag noch einmal die Gelegenheit, den Film in einer Preview zu sehen. Das Kölner Rex Kino zeigt den Film am 08. März um 19.30 Uhr. Für diese Veranstaltung verlosen wir 5x2 Freikarten. Eine Mail an tickets@intro.de mit dem Stichwort "Anvil im Rex" genügt.

In folgenden Kinos wird der Film ab dem 11. März gezeigt:

Bamberg, Lichtspiel
Berlin, fsk kino, Lichtblick
Dresden, Schauburg
Düsseldorf, Bambi
Frankfurt, Mal Seh'n Kino
Freiburg, Harmonie
Hamburg, Abaton
Hannover, Cinemaxx
Köln, Rex Lichtspieltheater
München, Monopol
Münster, Cinema
Nürnberg, Cinecitta
Tübingen, Arsenal