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Menschliche Polarität

After Effect

Der Gründer des Buchladens und -Verlags B_Books, Stephan Geene, interessiert sich schon lange fürs Kino. Er schreibt über Filme, kuratiert Programme - und dreht auch immer wieder mal selbst einen Film.
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Der Gründer des Buchladens und -Verlags B_Books, Stephan Geene, interessiert sich schon lange fürs Kino. Er schreibt über Filme, kuratiert Programme - und dreht auch immer wieder mal selbst einen Film.


 

Ob als Teil der Kollektiv-Soap 'Ping Pong D'Amour' (2004-2007) oder in Kollaboration mit der Künstlerin Judith Hopf bei Melvilles "Bartleby" (1999) - ein "richtiger" Kinofilm war meistens nicht ganz das, was bei seinen Produktionen heraussprang. Mit "After Effect" verhält es sich nun etwas anders.

Sabine Timoteo, die man sonst aus eher dramatischen Charakteren in Philip Grönings "L'Amour" oder Christian Petzolds "Gespenster" kennt, spielt eine souveräne Werbekonzeptualistin, die in einer typischen Mitte-Firma ein Tier-Logo - wie den "Puma in Puma" - für ein Projekt entwerfen soll. Dabei trifft sie einen zynischen Überlebenskünstler, der vom Popautor Aljoscha Weskott gespielt wird. Eine vorsichtige Liebesgeschichte beginnt, die das souveräne Leben der reichen Projektleiterin auf das prekäre Leben des arbeitslosen, aber smart überlebensgewandten Typen treffen lässt.


 

Spannend, wie sich kurz das berührt, was sich sonst ausschließt - und sofort wegen der absolut verschiedenen Abwehrtechniken und Ängste, die bei Differenz und Abhängigkeit aktiviert werden, wieder abstößt. Mit einer trügerischen Ruhe, die man eher aus der Videokunst kennt, und gespickt mit Cameo-Appearances der Berliner Kulturszene ist Geene ein kleines Kunststück gelungen. Er schmiegt sich an das Kino der Neuen Berliner Schule an, ohne deren manchmal trockenen Naturalismus-Konzept zu erliegen. Denn "After Effect" ist beides: eine Geschichte, wie sie heute passieren könnte und der jeder Neoliberalismus-bewusste Zuschauer folgen kann, und ein philosophischer Essay, der es dem Publikum letztlich doch schwerer macht, als dieses zunächst vielleicht denkt.
Tim Stüttgen