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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Super Mario« und die Höhenangst

Mein erstes Mal Gamescom

Bastian Küllenberg besitzt eine kleine Sammlung alter Nintendo-Konsolen und verkabelt regelmäßig den Sega Dreamcast. Next Gen-Konsolen und den aktuellen Spielemarkt beobachtet er jedoch eher aus der Distanz. In diesem Jahr ging er zum ersten Mal bei der Gamescom auf Entdeckungsreise.
Geschrieben am
Die Gamescom in Köln ist die weltgrößte Messe für Computer- und Videospiele. Hier werden die neuesten Titel vorgestellt und angetestet, es treffen Profi-Gamer und Youtube-Stars auf ihre Fans. Mehrere Hallen umfasst dieses Universum aus Pixeln, Soundeffekten, Merchandise und Warteschlangen. International ist das Publikum und in Bezug auf Alter und sozialen Stand viel gemischter, als man gemeinhin annehmen würde. Es zeigt sich hier deutlich, wie überholt das Klischee des pickeligen, übergewichtigen Gamers aus der Kellerkammer ist. Gamescom bedeutet eine Mischung aus Festivalstimmung, LAN-Party und Sommerschlussverkauf. Drei Tage lang habe ich mich in diese Welt auf Entdeckungsreise begeben.


Virtual Reality vs. Höhenangst

Wenn man unter Höhenangst leidet, erscheint es nicht unbedingt als beste Idee, die erste Virtual Reality-Erfahrung mit einem Flugsimulator zu machen. Und wirklich, beim Blick aus dem Cockpit von »Ace Combat 7« meldet sich die Magengrube. Klar, das Schlachtschiff zu meiner Linken weist auffällig eckige Kanten auf, doch die Illusion von Raum, Tiefe und Höhe stimmen. VR-Brille und Kopfhörer schirmen die Außenwelt ab, als der Kampfjet vom Flugzeugträger startet. Die Beine fest auf den Boden gepresst, überfliege ich eine kleine Inselgruppe und versuche die gegnerischen Maschinen zu sichten, was jedoch zunächst erfolglos bleibt. Stattdessen steige ich höher, tauche durch Wolken, der Regen prasselt auf mein Cockpit. Die Realität ist dabei vollkommen ausgeblendet, die Hände schwitzen vor Anspannung. Irgendwann trifft mich eine Rakete, es blinkt und wackelt: Mission gescheitert, Brille ab. Aufatmen.

Sportskanonen

Fußball-Spiele sind wie Fahrradfahren oder Schwimmen: das kann man nicht mehr verlernen, wenn man es einmal drauf hatte. Wieviele Stunden, Tage und Wochenenden ich während meiner Schulzeit mit den verschiedenen Inkarnationen von »Fifa Soccer« zugebracht habe, lässt sich schwer überblicken. Klar also, dass beim Gamescom-Besuch einmal das virtuelle Leder geschunden werden will. Da der Stand im Vergleich zu seinem »Fifa«-Konkurrenten nahezu verwaist ist, fällt die Wahl auf »Pro Evolution Soccer 2018«, einer Art Urenkel von Konamis »International Superstar Soccer«, das zu N64-Zeiten bei mir hoch im Kurs stand. Die Grafik ist beeindruckend scharf, die Bewegungen samtig rund und bereits innerhalb der ersten Halbzeit können meine Liverpooler den Führungstreffer gegen Inter Mailand bejubeln. Schon erstaunlich, wie schnell man sich in die Spielmechanik auch nach Jahren der Trainingspause einfindet. 

Das zeigt sich insbesondere, als ich kurz darauf von einem jungen Mann zum freundlichen Match gefordert werde. Mein zögerliches Fragen, ob er »Gamer« sei, beantwortet er mit einem Strahlen: ja, aber in Sachen Fußball kenne er auch nur »Fifa Soccer«. Zusammen mit seiner Schwester ist er aus Wien angereist, um zwei Tage lang den Trubel der Gamescom zu erleben. Auch für ihn eine Premiere. Viel gespielt hat er bis zu diesem Mittag noch nicht, doch den Stand zur »Final Fantasy«-Reihe wolle er unbedingt besuchen. Unsere Partie gewinne ich knapp mit eins zu null, das jugendliche Zocker-Herz atmet erleichtert auf.

Neuigkeiten von Nintendo 

Natürlich muss ich als SNES- und N64-Enthusiast wissen, was Nintendo 2017 so treibt. Als Journalist hat man auf der Gamescom das große Glück, im Vorfeld Termine ausmachen, um die entsprechenden Neuheiten in separaten Bereichen der Business Area in aller Ruhe und ohne Messelärm testen zu können. Auch das stundenlang Anstehen entfällt daher bei unserem Rundgang durch die Welt von »Super Mario Odyssey«, dem Prestige-Titel der aktuellen Konsole Switch, der am 27. Oktober erscheinen wird. 

Nicht nur, dass »Odyssey« zum besten Spiel der Messe gekürt wurde, es macht auch einfach unfassbar Laune, mit dem Klempner in sein neues Abenteuer zu starten. Steuerung und Spielgefühl erinnern dabei direkt an N64-Zeiten, auch der Ideenreichtum ist beeindruckend wie früher und die Grafik klar und flüssig. Schon nach zwei Durchgängen der rund zehnminütigen Demo bekomme ich Lust, mir eine Switch anzuschaffen. Noch mehr, nachdem ich den zweiten »Super Mario«-Titel »Mario & Rabbids: Kingdom Battle« ausprobiert habe, ein absurd buntes, rundenbasiertes Strategiespiel, mit doppelbödigem Humor und Mehrspieler-Modus.
Highlight Nummer drei und vier im aktuellen Angebot von Nintendo sind das vollkommen überdrehte »Pokemon Tekken DX«-Mash-up sowie »Fire Emblem Warriors« ein opulenter Action-Titel mit epischen Fantasy-Schlachten und farbenprächtigen Effekten. Spiele aus der Kategorie Schwindelanfall, für die mein 12-Jähriges Ich seine linke Hand verkauft hätte.

Zu Besuch bei den Großeltern

Die Gamescom bietet jedoch weitaus mehr, als nur aktuelle Spitzentitel, pompöse Messebauten und grelle Lichtshows. Eine große Halle beherbergt neben dem kleinen, bunten Cosplay Village auch eine Ecke, in der die Vorfahren der heutigen Konsolen präsentiert werden. Von musealen Amiga-Geräten über »Daytona USA« auf Segas Saturn bis zu antiken Arcade-Automaten kann man zahlreiche Klassiker Anfassen und Ausprobieren. Mein Herz erwärmt vor allem ein nahezu neuwertig aussehender »Donkey Kong Junior«-Automat aus den frühen Achtzigern, doch den größten Spielspaß liefert ein Duell mit Redaktionskollege Fassing im Strategie-Hüpfer »Q-Bert«. Bereits nach zwei Runden des Plattform-Springspiels ist klar: das brauchen wir fürs Büro!

Spiel-Film

Eines der hochgehandelten Spiele der Gamescom ist »Detroit: Become Human« von David Cage und seiner Firma Quantic Dream, die für kinoreife Visualisierung ihrer Adventure-Games bekannt sind. Der PS4-Titel darf während der Messe erstmals in Deutschland angespielt werden. Doch was heißt eigentlich spielen? Es fühlt sich viel eher an, als laufe man durch einen mehr oder weniger interaktiven Film. Hin und wieder muss man die passende, auf dem Bildschirm aufleuchtende Taste drücken, um eine Sequenz zu starten, darüber hinaus heißt es zugucken. Das Gefühl durch seine Handlungen etwas tatsächlich zu beeinflussen oder den Kitzel der Gefahr eines Misserfolgs fehlen vollkommen. Der Fokus des nahezu fotorealistisch aussehenden Spiels, bei dem es um eine dystopische Zukunftsvision und die Revolte der Roboter geht, liege in der Entscheidung zwischen moralisch guten und bösen Handlungen, erfährt man während der Präsentation. Der Video-Part wird hier deutlich stärker betont, als das Spiel.

Da hatte ich ein paar Stunden zuvor bei »Far Cry 5« mehr zu tun. Der Ego-Shooter besitzt eine ähnlich cineastisch anmutende Atmosphäre, wenn auch eher im Sinne eines B-Movies. Hier geht es mit dem Maschinengewehr gegen eine Sekte von Südstaaten-Rednecks, es dürfen Trucks und Sportwagen geklaut werden und Tankwagen in die Luft gejagt werden. Eben alles, was man sich von einem guten Ausflug erhofft. 
Philip Fassings Zusammenfassung der Trends und Highlights der Gamescom 2017 findet ihr hier.