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Auf dem Markt, da gibt’s koa Sünd

»Marija«

Wenn vier Euro die Stunde eine gute Bezahlung sind: die Wirklichkeit der Abgehängten im deutschen Wohlfahrtsstaat.
Geschrieben am
Schon Brecht wusste: »Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.« So platt wie richtig – bis heute. Doch Marija, die »Heldin« des gleichnamigen Debütfilms von Michael Koch, ist gar nicht so unmoralisch. Und ob man das über die anderen Figuren so einfach sagen kann? Auch da bleibt Unsicherheit. Dieser feinfühlige Film stellt viel in Frage und sollte jedem besorgten Bürger gezeigt werden. Marija hat einen Traum. Sie möchte einen eigenen Friseursalon. Dafür arbeitet sie im Hotel für vier Euro die Stunde. Sie arbeitet noch viel härter, als sie diesen Job verliert. Da sie ihre Miete nicht zahlen kann, gibt sie –gezwungenermaßen – ihren Körper her.

Der Film, der das Milieu der Dortmunder Nordstadt spiegelt, vermeidet es, Elend als bloßes Elend darzustellen, sondern zeigt sich immer ernst, aber besonnen. Marija hilft in der Folge beim Übersetzen, beim Ausfüllen von Formularen, beim Arztbesuch. Szenen besorgniserregender Ehrlichkeit reihen sich aneinander: Der Familienvater – ohne Krankenversicherung – möchte auf den Bau zurück, obwohl er seinen Fuß zu verlieren droht. Die Familie, die vom »bösen« Vermieter ausgewrungen wird. Nach dem Motto: »Wenn du die nicht abziehst, ziehen sie dich ab.« Ist das wirklich unmoralisch? Oder ist das eine einfache Analyse der Zustände, die wenig Wachstum und viele Abgehängte produzieren? Marija, die wirklich unglaublich intensiv, melancholisch und tiefentschlossen von Margarita Breitkreiz gespielt wird, ist die Hauptfigur in einem Cast, der bis zum letzten Statisten grandios besetzt ist. Wer wissen möchte, wie Leben am Rande der Gesellschaft funktioniert, der sollte hier genau hinschauen. Ein Film gegen die Gegner des Sozialstaats, die von Hartz-4-Schmarotzern palavern und nicht die leiseste Ahnung haben. Ein Glanzstück!
— »Marija« (D/UA/TR 2016; R: Michael Koch; D: Margarita Breitkreiz, Georg Friedrich; Kinostart: 09.03.17; Real Fiction)

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