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Märchenhafte Gerechtigkeit

Micmacs

Wenn ein Regisseur das Ende der Stummfilmzeit nie richtig verwunden hat, dann Jean Pierre Jeunet, der geistige Vater von "Amélie" und "Delicatessen".
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Wenn ein Regisseur das Ende der Stummfilmzeit nie richtig verwunden hat, dann Jean Pierre Jeunet, der geistige Vater von "Amélie" und "Delicatessen".

Jeunets visuell ausladende Bilderwelten sind beinahe schon zwanghaft gemütlich und präsentieren einen Nostalgie-seligen Detail-Overkill, der dem Publikum wohl suggerieren soll, dass es hier jemand besonders gut mit ihm meint. Auch "Micmacs" kommt vom Prinzip her ohne Worte aus, wenn man erst einmal weiß, worum es der Hauptfigur geht. Die nennt sich Bazil, arbeitet als Videothekar und wird als Unbeteiligter bei einer Schießerei lebensgefährlich verletzt.

Als Bazil wieder aus dem Krankenhaus kommt, hat er keinen Job und keine Wohnung mehr, dafür aber eine fixe Idee: Rache an den Waffenhändlern, die ja auch sonst schon für genug Elend in der Welt verantwortlich sind. Doch wo die Actionfraktion jetzt das Phantomkommando holen würde, wählt Bazil lieber die Amélie-Methode und freundet sich mit einer Bande überspannter Schausteller an, die unter einem Schrottplatz lebt und scheinbar nur auf die Gelegenheit gewartet hat, ihre kreativen Anfälle in den Dienst einer guten Sache zu stellen. Wie so oft bei Jeunet fühlt sich auch "Micmacs" an wie der Kampf des Kinderzimmers gegen den Rest der Welt, angeleitet durch einen überenthusiastischen Modellbahnfreund mit einer Menge Geduld.


Der Film sieht aus wie der Blick in eine Spieluhr, in der eine raffinierte Kettenreaktion stattfindet, an deren Ende die märchenhafte Gerechtigkeit wiederhergestellt ist, ohne die einen der Regisseur nicht mehr in den Alltag entlassen will. Die satirischen Aspekte der Story werden dementsprechend heruntergespielt zugunsten eines Slapstick-Humors, der hinter seiner gutmütigen Fassade auch immer bäuerlich-dickköpfige Züge trägt. Aber die trägt Hauptdarsteller Dany Boon ja auch.


Micmacs (F 2009; R: Jean Pierre Jeunet; D: Dany Boon, Yolande Moreau, Omar Sy; 14.01.)