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»Oh, du bist ein Mädchen!«

Maisie Williams im Gespräch

Im Filmgeschäft ist »Game Of Thrones«-Star Maisie Williams eine der jüngsten und lautesten Stimmen für den Feminismus. Trotzdem gab sie vor Kurzem bekannt, dass ihr das Wort »Feminist« missfällt. Elisabeth Haefs hat sie in London getroffen.

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Maisie Williams mag die Figur, die sie in der Serie »Game Of Thrones spielt: »Ich liebe Arya Starks düstere Seite«, bekennt sie beim Interview in London. Williams spielt in der Regel Charaktere, die jungen Frauen eher selten auf den Leib geschneidert werden. Neben der Rolle als Arya fallen ihre Auftritte in »The Falling« und »Cyberbully« ebenfalls aus dem »mädchentypischen« Rahmen. Und die 19-Jährige Schauspielerin aus Bristol nimmt auch im echten Leben kein Blatt vor den Mund. Im Gespräch mit Entertainment Weekly schlug sie unlängst eine Alternative zum Wort »Feminist« vor: Es solle doch einfach jeder, der nicht für Geschlechtergerechtigkeit ist, als Sexist bezeichnet werden. Dann habe sich das mit den Labels auch erledigt: »Entweder bist du ein normaler Mensch – oder ein Sexist«.

Williams schlägt also eine Umkehrung der sprachlichen Machtverhältnisse vor. Sexismus wird damit zur Abweichung von der »Norm« – so problematisch ein Begriff wie »normal« auch ist. Regisseur Joss Whedon hatte 2013 in einer Rede für »Make Equality Reality« bereits dieselbe Idee vertreten.


Es ist bei erstaunlich vielen Menschen noch nicht angekommen, dass Feminismus auf Gleichberechtigung zielt. Im bereits erwähnten Interview mit Entertainment Weekly gibt Williams zu, dass sie Angst davor habe, für ihre Äußerungen zum Thema Feminismus beleidigt zu werden – insbesondere von Frauen. Das hindert sie nicht an der öffentlichkeitswirksamen Unterstützung von Projekten wie der »#LikeAGirl«-Kampagne von Always. Und es hält sie auch nicht davon ab, Schauspielerkollegin Emma Watsons Vorstellungen von den Aufgaben des Feminismus zu kritisieren. Watson hielt 2014 eine häufig zitierte Rede für das UN-Projekt »HeForShe«, in der sie betonte, dass Männer stärker in den Kampf um Frauenrechte eingebunden werden müssten. Williams sagte daraufhin im Guardian, dass es wichtigere Probleme als einen solchen »Erste Welt-Feminismus« gebe. 

In ihrem YouTube-Channel (»Random Moments of Madness with Maisie«) und auf ihrem Twitter-Account präsentiert Maisie Williams sich als offene, direkte und vor allem witzige Frau. Sie wirkt, als wolle sie sich von ihrer Prominenz nicht verbiegen lassen und hat gleichzeitig Spaß daran, mit ihrer beachtlichen Fangemeinde zu kommunizieren. Das alles, obwohl sie als junge Frau in der Öffentlichkeit täglich von Presse und Filmbusiness in diverse Schubladen gesteckt wird, und selber zu Beginn ihrer Karriere Opfer von Online-Mobbing wurde. 

Fan Q&A auf dem Youtube-Kanal von Maisie Williams

Ihre Paraderolle scheint sie gestärkt zu haben. Die Kriegerin Arya Stark verkörpert alles, was junge Mädchen nicht »dürfen«. Sie wehrt sich und übt erbarmungslose Rache aus. Dabei setzt sie sich über gesellschaftlichen Konventionen der fiktiven Welt von »Game of Thrones« hinweg. Für Maisie Williams bedeutet die Rolle Selbstverwirklichung und Selbstfindung: »Arya hat in jeder Staffel neue Facetten dazubekommen. Durch die vielen Phasen, die sie durchlebt, habe ich als Schauspielerin nun einiges vorzuweisen. Jetzt sage ich beim Vorsprechen: ›Nach welchem Charakter suchen Sie? Lieber Arya aus Staffel 1, oder eher die aus Staffel 5 und 6?‹ Das ist schon cool.«

Zu den wichtigsten Figuren in »Game Of Thrones« und in der Romanvorlage von George R.R. Martin zählt ein Schwesternpaar, das die Klischees von Tomboy (Arya) und Prinzessin (Sansa Stark) demontiert – ein wichtiger Beitrag zur Abkehr von stereotypen Frauencharakteren. Die Reaktion der Crew auf Aryas femininere Kleidung in Staffel 5 zeigt, wie festgefahren Geschlechterbilder sind: »Ich fand es toll, mich als Lana zu verkleiden. Endlich mal was Neues. Dann hieß es plötzlich: ›Oh, du bist ein Mädchen!‹. Als man mich vor dem Dreh checken sollte, sind alle Kollegen aus dem Team einfach an mir vorbeigelaufen, weil sie mich nicht erkannten«, erzählt Maisie Williams in London. 

Arya ist die Rolle, mit der man Maisie Williams identifiziert. Aber das könnte sich in Zukunft ändern. Es gibt Gerüchte, dass sie für den nächsten »X-Men« zur Debatte steht, und auch Guillermo del Toro würde Williams gerne in seinem Sequel zu »Pacific Rim« sehen. »Es gibt schon Momente, in denen man innehält und denkt ›Wow, mein Leben hat sich für immer verändert‹«. Doch mit dem Erfolg kann die Schauspielerin umgehen, so viel ist sicher.  

Trailer zu Staffel 6 von »Game Of Thrones«

Game of Thrones - Die komplette 5. Staffel [Blu-ray]

Release: 17.03.2016

Alex Graves

Game of Thrones - Die komplette 5. Staffel [5 DVDs]

Release: 17.03.2016

– »Game Of Thrones – Die komplette 5. Staffel« (USA 2015; C: David Benioff, Dan B. Weiss; D: Lena Headey, Peter Dinklage; ist bereits via Warner auf DVD und Blu-ray erschienen) 

Die 6. Staffel läuft ab dem 25.04. bei Sky