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Comic: »Der Ursprung der Liebe«

Liv Strömquist macht Schluss mit Romantik

Schon in »Der Ursprung der Welt« hat Comiczeichnerin und –autorin Liv Strömquist hart mit dem Patriarchat abgerechnet. In »Der Ursprung der Liebe« setzt sie das fort und verpasst noch dazu hoffnungslosen Romantiker*innen einen Dämpfer. (Bild: Avant Verlag)

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Die Liebe ist nur ein gesellschaftliches Konstrukt, sie verstärkt das Patriarchat und Frauen haben wenig bis nichts davon, wenn sie in einer heterosexuellen Zweierbeziehung leben. Das ist der traurige Schluss, zu dem man nach dem Lesen von Liv Strömquists aktuellem Comic kommen könnte. Sie zerstört eine hübsche romantische Idee nach der anderen und wenn man an die große Liebe glaubt, könnte man schon ein bisschen wütend auf sie werden. Wenn man dabei von der Schwedin nicht so unglaublich gut unterhalten würde.
 
Strömquist hat nicht nur viele Studien zum Thema gelesen, sie hat auch sehr viel Fernsehen geschaut. Sie erklärt den Erfolg der »Viererbande«, und von den »bestbezahlten Fernseh-Comedians der letzten Jahre« Jerry Seinfeld (»Seinfeld«), Tim Allen (»Hör mal, wer da hämmert«), Ray Romano (»Alle liebe Raymond«) und Charlie Sheen (»Two And A Half Men«). Anhand dieser Beispiele erläutert die Autorin woher es kommt, dass sich viele Frauen zu Männern hingezogen fühlen, die sie wie Idiotinnen behandeln. Auch Carrie Bradshaw und Mr. Big aus »Sex And The City« werden an dieser Stelle genannt und im Verlauf des Buches immer wieder hervorgeholt. Anhand der Beziehung von Whitney Houston und Bobby Brown erläutert Strömquist, welche Gefühle Menschen in kaputten Beziehungen halten. Mitleid und Schuld zum Beispiel. 

Tatsächlich sind Männer in diesem Buch immer die Gewinner in einer Beziehung. Strömquist veranstaltet die »Männer-Pflege-WM« und wirft mit Paaren um sich (Mary Welsh und Ernest Hemmingway, Oona und Charlie Chaplin und Nancy und Ronald Reagan), bei denen die Frau sich um den Mann gekümmert hat. Sie stellt die Frage: Wäre es umgekehrt genauso gewesen? Eher nicht. Auch dafür gibt es ein Beispiel: Ingmar Bergmann hat seine Tochter Maria engagiert, sich um die kranke Ingrid zu kümmern.

Auch wenn man ihnen nicht zustimmt, nachvollziehbar sind Strömquists Abhandlungen auf jeden Fall. Wenn sie fragt, wieso es völlig ok ist, mit mehreren Menschen befreundet zu sein, es aber gesellschaftlich verachtet wird, wenn man mit mehreren Partner*innen schläft, dann beginnt man, sich das gleiche zu fragen. Eine Antwort leitet sie über historische gesellschaftliche Entwicklungen her, die für einige Aha-Effekte sorgen. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt dennoch, denn Strömquist scheint sich vor allem an Studien bedient zu haben, die ihre Theorien untermauern – verständlich, aber eben auch einseitig. Auch, dass sie sich vor allem heterosexuellen Beziehungen widmet, ist schade.

Trotzdem ist »Der Ursprung der Liebe« ein großer Spaß. Liv Strömquist zeigt wieder mal ihr Talent für Situationskomik, sie legt historischen Persönlichkeiten wunderbar absurde Sätze in den Mund und spielt mit Running Gags. Paare, deren Beziehung zu Ende gegangen ist, treffen sich hier nur noch zu einer »verkrampften Tasse Kaffee einmal im Jahr« und jene Tasse kommt immer und immer wieder vor. Die Zeichnungen sind, wie schon in »Der Ursprung der Welt«, eher einfach und verspielt gehalten und werden durch Collagen aus Zeitungsschnipseln und Fotos ergänzt, was ebenfalls zur ausgelassenen Stimmung beiträgt. Die Gestaltung setzt einen krassen Kontrast zum teils sehr tragischen Thema des Comics. Ein Balanceakt, der erstaunlich gut gelingt – so lange man nicht hoffnungslos romantisch veranlagt ist.

Liv Strömquist

Der Ursprung der Liebe

Release: 01.02.2018