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Honkies und Niggas

L.A. Crash

L.A. Crash USA 2004 R: Paul Haggis; D: Sandra Bullock, Don Cheadle, Matt Dillon, Brendan Fraser, Jennifer Esposito, Ryan Philippe; 04.08. "What is wrong with you people?" schreit die afroamerikanische Krankenkassenangestellte Shaniqua entnervt, nachdem ein mit Latinos voll besetztes Auto in
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L.A. Crash
USA 2004
R: Paul Haggis; D: Sandra Bullock, Don Cheadle, Matt Dillon, Brendan Fraser, Jennifer Esposito, Ryan Philippe; 04.08.

"What is wrong with you people?" schreit die afroamerikanische Krankenkassenangestellte Shaniqua entnervt, nachdem ein mit Latinos voll besetztes Auto in L.A.s Chinatown auf ihren Wagen geknallt ist. Dieser Crash markiert den letzten von vielen subtil unangenehmen bis offensiv gewaltsamen Zusammenstößen entlang der Demarkationslinien von "Rasse" und Klasse, die "Million Dollar Baby"-Drehbuchautor Paul Haggis in seinem Regiedebüt mit Starbesetzung in 36 fiktiven Stunden als wilden Zickzack-Ritt durch kollektive Ängste und Vorbehalte inszeniert. Vor diesem Zusammenprall musste sich Shaniqua in ihrem Büro von einem weißen Arschloch-Bullen (Matt Dillon), der um eine bessere medizinische Behandlung seines dahinsiechenden, verarmten Vaters kämpft, anhören, dass er die zahlreichen weißen Männer bemitleide, die trotz besserer Qualifikation ihre Stelle nicht bekommen hätten. Im poshen Stadtteil Westwood echauffiert sich Anthony (Chris "Ludacris" Bridges) über die rassistische Regung einer weißen Oberschichtfrau, sich beim Anblick von ihm und seinem ebenfalls schwarzen Kumpel an den Arm ihres Mannes zu klammern, nur um dann eine Knarre zu ziehen und dem Paar das Auto zu rauben. Zu Hause lässt ebendiese Frau, Staatsanwaltsgattin (toll bitchy gespielt von Sandra Bullock), alle Schlösser von einem braven, aber tätowierten Latino-Familienvater auswechseln, dem sie gegenüber ihrem Mann unüberhörbar vorwirft, er würde die Schlüssel doch garantiert seinen "gangbanger friends" weiterverkaufen.

Auch wenn die Message, dass niemand von Vorurteilen frei ist, nicht bahnbrechend oder gar neu ist, sind die pointiert hin und her fliegenden Stereotypen-Gags, die sich die ProtagonistInnen ständig um die Ohren hauen, auf so einer vielschichtig verwickelten Skala von sentimental bis ätzend angelegt, dass das Wiehern im sprichwörtlichen Schlund stecken bleibt. "Eine graue Komödie" sei dieser Episodenfilm über ganz alltägliche Rassismen geworden, meint "Crash"-Produzent Mark R. Harris, weil bei allem beißenden Humor noch zu viel Hoffnung auf ein philanthropisches Moment drinstecke, um nur zynisch-schwarze Komödie zu sein. Neben vielen anderen Szenen ist besonders jene groß, in der der nicht gerade als Conscious-Rapper bekannte Ludacris seinem Buddy erklärt, HipHop sei "oppressor music", weil die Schwarzen dadurch angehalten würden, sich gegenseitig dauernd den Sklaven-Terminus "Nigga" aufzudrücken: "You ever hear white people call each other 'Honky'?"