×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Klassischer Gangsterfilm

Killing Them Softly

Ein klassischer Gangsterfilm, kühl inszeniert und gleichzeitig nah am wahren Leben. Regisseur Andrew Dominik und sein Star Brad Pitt beweisen ihre Klasse.
Geschrieben am

In seinem berühmten Essay »The Gangster As Tragic Hero« definiert Robert Warshow die Rolle des Filmgangsters als eine Art Robin Hood, der an einer kaputten Gesellschaft verzweifelt. Das war allerdings 1948. Seitdem hat der Ruf der Zunft eine wesentlich düsterere Schlagseite bekommen.

In Andrew Dominiks »Killing Them Softly« guckt auch der Berufsverbrecher viel Nachrichtenfernsehen. Zu sehen gibt es da neben dem Präsidentschaftswahlkampf vor allem Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft. Die angespannte Lage lässt sich auch vor Ort beobachten: Als Mafia-Schützling Markie (Ray Liotta) einige Jahre zuvor seine eigene illegale Pokerrunde hatte überfallen lassen und hinterher damit prahlte, drückten seine Vorgesetzten ein Auge zu. Der Typ war schließlich sympathisch und der Coup anekdotenhaft schlitzohrig. Nun wird Markies Pokerrunde zum zweiten Mal überfallen, und obwohl seine Unschuld als erwiesen gilt, gibt es diesmal kein Pardon mehr. Ordnung muss schließlich sein, und deshalb kriegt Profikiller Jackie Cogan (Brad Pitt) den Auftrag, Markie und alle Beteiligten fachmännisch umzulegen. Brad Pitt erinnert mit der pragmatischen und latent lebensmüden Interpretation seiner Figur an den Jesse James, den er in Dominiks vorhergehendem Film »Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford« gespielt hat.

Von draufgängerischem Gangsterflair ist nicht viel geblieben – auch wenn die Garderobe sitzt. Und ein merkwürdiger Fatalismus schleicht sich in den blutigen Alltag. Jackie Cogan verbringt deswegen sehr viel Zeit mit Diskutieren, man könnte auch sagen, dass er die Konkursmasse seines Berufsstandes verwaltet. Am Ende muss er nach getaner Arbeit um sein Killerhonorar feilschen, »America is not a country, it’s a business«, sagt er da.



Stellenweise hieß es, der Film sei bei allem Stilwillen oberflächlich und unsubtil in seiner Botschaft. Das Gegenteil ist der Fall: »Killing Me Softly« kitzelt eine Menge Emotionen wach, die meisten davon kennt man aus seinem Minijob, selbst wenn man da niemanden umbringen muss. Mit der Gangsterromantik ist es so oder so fürs Erste vorbei.