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GB 2007

Joy Division

Am Ende des Films erklärt eine Stimme aus dem Off, dass Joy Division radikal ehrlich waren. Ihnen sei es nie um Erfolg gegangen, sondern nur um die Offenbarung ihrer Gefühle.
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Am Ende des Films erklärt eine Stimme aus dem Off, dass Joy Division radikal ehrlich waren. Ihnen sei es nie um Erfolg gegangen, sondern nur um die Offenbarung ihrer Gefühle.

Solche Sätze nähren den Mythos einer Band, die seit "Control" in den Medien präsenter ist als zu Lebzeiten. Trotzdem hat sich Grant Gee darum bemüht, einen anderen Weg als "Control" zu gehen. Mystifizierung soll vermieden werden. Es kommen fast nur Bandmitglieder - die heutigen New Order - und Freunde zu Wort. Haarklein wird Geschichte rekonstruiert, gespickt mit den wenigen, oft unscharfen Originalaufnahmen. Doch gerade dieses schlechte, grobkörnige Material trägt zur Mythenbildung bei, entrückt den rätselhaften Ian Curtis ins Nebulöse und Geisterhafte. Grant Gee kann es drehen und wenden, wie er will:

Sein Film mag "die Wahrheit" erzählen, doch auch "die Wahrheit" um den schüchternen Familienvater Ian Curtis, der tagsüber sein Geld damit verdiente, sich für behinderte Menschen einzusetzen, ist verantwortlich für dessen kultische Verehrung. Was "Joy Division" von vergleichbaren Band-Dokus unterscheidet, ist seine konsequente Ausklammerung des Umfelds. Kurz wird der erste Sex-Pistols-Gig in Manchester erwähnt, ansonsten spielt Punk als Bewegung kaum eine Rolle. Im Laufe des Films werden Joy Division mehr und mehr zu einem singulären Phänomen, losgekoppelt von Zeit und Raum. Immer dann, wenn man die Befürchtung hat, dass die Band gleich ins Magische entrückt, kommen die Protagonisten dann doch wieder auf den Boden zurück. Und erzählen zum Beispiel, dass sie nach Ian Curtis' Selbstmord erst einmal in die Kinovorführung von "The Great Rock'n'Roll Swindle" gegangen seien. Sie waren jung, wollten cool wirken. Richtige Arschlöcher, die keine Gefühle zeigen konnten. Zum Glück hatten sie dafür ihre Musik.


Intro empfiehlt:
Joy Division
GB 2007
R: Grant Gee; MFA Film