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GB/IRL 2007

Joe Strummer – The Future Is Unwritten

Joe Strummer, 2002 verstorbener Ex-The-Clash-Frontmann, hatte ein Faible für knisternde Lagerfeuer. Er liebte sie als Forum für inspirierende Gespräche und – symbolisch gesprochen – als Ort für lose Versammlungen von Leuten, die durch die Flammen zusammengehalten werden. Das passt. Auch das musikali
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Joe Strummer, 2002 verstorbener Ex-The-Clash-Frontmann, hatte ein Faible für knisternde Lagerfeuer. Er liebte sie als Forum für inspirierende Gespräche und – symbolisch gesprochen – als Ort für lose Versammlungen von Leuten, die durch die Flammen zusammengehalten werden. Das passt. Auch das musikalische Oeuvre des Diplomatensohnes war immer hochgradig integrativ, schon zu frühen Punkrock-Tagen baute er Folk, Reggae und kubanische Musik in seine Songs ein. Folgerichtig setzte Julien Temple, der Regisseur dieser aufreibenden Doku, auf verschiedenen Kontinenten Holzhaufen in Brand. Drum herum versammelte er Weggefährten, Freunde und Mitstreiter, die Strummers Wirken vielstimmig kommentieren. Neben den verbliebenen Clash-Mitgliedern kommen unter anderem John Cusack, Matt Dillon, Jim Jarmusch sowie der unvermeidliche Bono zu Wort.

Von den ersten musikalischen Schritten Ende der Sechziger über die Punkrock-Explosion mit der Gründung der Clash im Jahre 1976, den anschließenden Ruhm weit über die Grenzen Englands hinweg bis zum Split der Band und zu Strummers späteren Solo-Aktivitäten spannt Temple einen weiten Bogen. Da die beiden eng befreundet waren, hatte er Zugang zu privaten Archiven, und so kommt der geneigte Fan in den Genuss von allerlei Raritäten, etwa Filmaufnahmen aus Kindertagen, auf lose Zettel gekritzelten Songlyrics sowie Comics und Skizzen, die mit moderner Animationstechnik liebevoll zum Leben erweckt wurden.
Nach zwei Stunden Tour de Force durch das Leben und Wirken dieses Mannes muss man konstatieren, dass Temple sich zum Teil etwas “verrockt”. Die Fülle des Materials, das halsbrecherische Tempo und die überbordende stilistische Vielfalt machen die Doku etwas anstrengend. Menschen, die mit Strummers Lebenswerk eher lose vertraut sind, werden das Kino womöglich erschlagen verlassen. Ein paar filmische Ruhepausen hätten gutgetan, zumal es ruhigere Phasen, wie man erfährt, in Strummers Vita durchaus gab. Trotzdem ist “The Future Is Unwritten” ein wahres Füllhorn an großartigen Zitaten und erhellenden Einsichten. So erklärt der altersweise Meister am Ende des Films, von knallenden Funken umspielt, dass der Hippie-Hass der Punks eigentlich nur überzogenes Lagerdenken gewesen sei – und er sich Zeit seines Lebens als Blumenkind gesehen habe. Das Lagerfeuer bringt’s an den Tag.