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Harry Potter and the Deathly Hallows

Joanne K. Rowling

Man kann förmlich mit Joanne K. Rowling mitfühlen, wie sie den letzten Band ihrer Serie um Harry Potter schreibt.
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Man kann förmlich mit Joanne K. Rowling mitfühlen, wie sie den letzten Band ihrer Serie um Harry Potter schreibt. In einem etwas merkwürdigem Gesamtaufbau macht sich ihre Ratlosigkeit bemerkbar, anscheinend war ihr selbst nicht von Anfang an klar, wie sie das Buch schreiben soll. Zu Beginn also läuft alles wie gehabt, die HP7 rumpelt los wie eine gut geölte Maschine. Die Charaktere bleiben im Grunde statisch wie immer, je weiter sie vom Handlungszentrum der drei Freunde entfernt sind, desto flacher werden sie. Nicht, dass da irgendetwas gegen einzuwenden wäre, HP7 schickt sich nur an, nach dem gleichen Muster zu funktionieren wie seine Vorgänger. Die Charaktere als einzelne Rädchen einer Maschine, des Plots.

Doch dann passiert etwas Unerwartetes, indem die drei zentralen Charaktere Harry, Ron und Hermine isoliert werden und sich Rowling einen Teil des Buches die Muße nimmt, den kompletten Hintergrund, die ganze Geschichte fast komplett wegfallen zu lassen und sich auf die Charaktere zu konzentrieren. Den Dreien wird die volle Aufmerksamkeit gewidmet, und sie tut ihnen gut. Man kommt so nahe heran, wie kaum je zuvor. Ohne dass wahnsinnig viel passieren müsste, also ganz ohne Harrys ersten Kuss, seine Liebe zu Ginny Weasley oder andere eher holzschnittartige Nebenschauplätze bekommen die Charaktere nochmal die Kontur zurück, die sie über die letzten zwei Bände zu verlieren drohten. Und dann folgt man ihnen wieder gern in den Showdown, der wirklich aus dem Vollen schöpft. (Vielleicht sollte man diesen Teil zur Verfilmung Peter Jackson anvertrauen.)

Denn es geht Schlag auf Schlag, ziemlich plötzlich zieht HP7 das Tempo an und drückt auf die Tube, katapultiert die gebeutelten Helden mitten in die dicke Action. Auf dem letzten Drittel des Buches kommen dicht gedrängt nochmal alle Charaktere vor, die vor der Verschnaufpause nicht schon zu Ehren gekommen sind, teilweise erinnert das Buch dadurch an eine Nummernrevue. Aber man kommt nicht dazu, sich darüber zu ärgern, denn das Tempo ist einfach zu hoch, man steckt mitten drin, während die Flüche hier und da durch die Gegend fliegen und der ein oder andere alte Bekannte über sich selbst hinauswächst, stirbt oder beides.

Über das Ende soll hier sowenig wie möglich verraten werden, aber soviel sei gesagt, es ist das Beste so. Unter den Spekulationen darüber waren einige, die einem kalte Schauer über den Rücken jagen konnten, zum Glück ist nichts davon eingetroffen. Was aber doch verraten werden muss: Die enorm abgedroschene Coming-Of-Age-Variante, er verliere seine Zauberkraft, bleibt einem erspart.