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»Libelle & Drachenfaust« von Jens Kasper

Superhelden aus Reutlingen

Eigentlich wollte Jens Kasper schon immer Comics zeichnen, seit einigen Jahren setzt der Illustrator aus Reutlingen diese Idee endlich in die Tat um. Sein neuestes Projekt »Libelle & Drachenfaust«, das Kasper erfolgreich im Eigenvertrieb veröffentlicht, ist ein klassischer Superhelden-Stoff, wie man ihn in Deutschland nur sehr selten findet. Wir sprachen mit dem schwäbischen Superhelden-Schöpfer. (Artikelbild: Jens Kasper)

Geschrieben am

»Libelle und Drachenfaust« ist ein Superhelden-Comic mit fortlaufender Handlung, der in Heft-Form erscheint. Ein nicht grade alltägliches Projekt. Wie entstand die Idee?
Die Idee für »Drachenfaust« hatte ich schon in der 9. Klasse, das wäre aber damals noch viel zu aufwändig und schlicht nicht realisierbar gewesen. Die Idee hat mich über die Jahre immer wieder verfolgt. Als ich mich dann 2015 zwischen zwei Jobs befand, habe ich sehr intensiv angefangen, Ideen für einen eigenen Comic zu skizzieren und mir eine erzählenswerte Story dazu auszudenken. Ich fand es auch irgendwie eine vertane Gelegenheit, dass, obwohl Superheldenfilme und -serien hierzulande immer besser laufen und Comic-Cons wie Pilze aus dem Boden sprießen, es praktisch keine nennenswerten deutschen Produktionen gibt. Dabei ist Comic ein sehr gutes Medium, um auch abseits des Internets Leute zum Lesen zu animieren, die nie eine Zeitung oder ein Buch in die Hand nehmen würden. Und weil’s halt sonst keiner gemacht hat, dachte ich, mach ich’s halt selbst.

Alle zwei bis drei Monate soll ein neues Heft erscheinen. Ein sehr ambitionierter Plan, der bisher augenscheinlich gut funktioniert. Kannst du beziffern, wie lange du an einer Ausgabe arbeitest?
Im Bestfall brauche ich für ein Heft etwa 120 Stunden. Das ist schon ein ziemlich krasser Aufwand. Wenn ich nicht selbstständig wäre und dadurch flexibler in der Zeiteinteilung, wäre das nicht zu machen. Andererseits finde ich drei Monate eigentlich schon immer sehr lang um bei einer fortlaufenden Story auf die Fortsetzung zu warten, aber schneller schaffe ich es alleine nicht.

Die 500 Exemplare der Erstauflage des Premieren-Hefts »Drachenfaust« sind mittlerweile ausverkauft. Hand aufs Herz: Hast du mit diesem Erfolg gerechnet?
Trotz meines Größenwahns: nein echt nicht. Beim dritten Heft ‚Libelle & Drachenfaust 1’ hatte ich aus Kostengründen nur 150 Stück drucken lassen, die waren nach fünf Wochen weg. Aber die 500 »Drachenfäuste« in unter einem Jahr haben sich tatsächlich noch krasser angefühlt. Da habe ich mich auch zur Feier direkt auf dem Comic Salon in Erlangen nach Messeschluss richtig abgeschossen.

Bild: Jens Kasper

Welche Titel und Helden brachten dich zum Comic?
Batman, Die Maske, Spiderman, die Justice League, Lobo, die Turtles, Tomb Raider, die Simpsons, Beavis&Butthead, Spawn und Daredevil habe ich am meisten abgefeiert, aber ich habe generell alles gelesen und geschaut, was ich in die Finger bekommen konnte, auch das ganze franco-belgische Zeug und »Lustiges Taschenbuch« natürlich.

Seit wann war für dich klar, dass du selber Comics zeichnen möchtest?
Seit ich zwölf war ungefähr, oder eigentlich schon immer. Mit 20 habe ich dann aber in einer Tübinger WG alle »AKIRA«-Bände gelesen und war erst Mal für zehn Jahre resigniert, weil das so unfassbar gut war. Da dachte ich, das ist so unschlagbar, was habe ich dem noch hinzuzufügen? Jedenfalls beschloss ich dann erst mit 30, es doch einfach zu versuchen, insofern mich die Ideen ja ohnehin nicht in Ruhe lassen. Und siehe da, es klappt auch immer besser, umso mehr ich mache.

Hast du Vorbilder in Sachen Comics? Seien es internationale Größen oder deutsche Indie-Zeichner.
Jim Lee ist aktuell mein Lieblingszeichner, Jack Kirby finde ich vom Output und der Fantasie unfassbar, Mike Mignola zeichnet schön düster und stimmungsvoll. Aber auch in Europa gibt und gab es so Übergenies wie Jean Gireaud alias Möbius oder André Lux (»Egon Forever!«). In Deutschland finde ich vom zeichnerischen vor allem die meist weiblichen Mangaka teilweise beunruhigend gut, aber so richtige Hefte, die ich richtig feiere, gibt es noch nicht so viele. »Der Engel« von Tomppa und »Tank« von SD Comics sind bisher die besten deutschen Action-Comics, die ich gelesen habe. »Apfel«-Comics und »Piephahn« von Michael Wild sind sehr großartig und »Barbarkulor« und »Egon Forever!« natürlich.

Bild: Jens Kasper

Die Geschichte von »Libelle und Drachenfaust« spielt in Reutlingen, einem Ort, den Menschen jenseits Baden-Württembergs wohl allerhöchstens dem Namen nach kennen. Wie kam es zu dieser Entscheidung und worin liegen die Vorzüge der Provinz als Handlungsort?
Ich bin selbst gebürtiger Reutlinger und finde die Stadt wirklich ziemlich langweilig. Reutlingen ist zum Beispiel auch die sicherste Großstadt Deutschlands und stolz darauf, nachdem man in den Neunzigern sogar mal die Heroin-Hauptstadt war. Dafür funktioniert aber das Kleinbürgerliche und bisweilen Spießige sehr gut als Kontrast für Fantastisches und Superhelden-Elemente. Zweifamilienhäuser und Gartenzäune sind eben eher typisch deutsch, als Hochhausschluchten. Da hätte ich es ja eigentlich nur in Frankfurt spielen lassen können, oder in Berlin wie alle anderen. Man muss aber absolut nie in Reutlingen gewesen sein, um die Story zu verstehen. Es ist nicht das zentrale Thema des Comics.

Bei Regional-Bezug im Comic musste ich direkt an zweifelhafte Produkte wie »Asterix schwätzt schwäbisch« oder »Die Simpsons auf Hessisch«. Zuletzt erschien 2016 die Reihe »Austrian Superheroes«. Hast du dich mit solchen Titel auseinandergesetzt?
Dieses Mundart-Zeug finde ich auch meistens sehr furchtbar. Von »Austrian Superheroes« habe ich mir aber neulich mal ein aktuelles Heft gekauft und war echt positiv überrascht. Der österreichische Akzent nervt, genau wie in echt auch, aber die nehmen wenigstens die Story und die Charaktere ernst und versuchen eine gute Geschichte zu erzählen. Letztes Jahr ging dann aber der deutsche Ableger »Liga Deutscher Helden« an den Start und das hat für mich leider gar nicht funktioniert. Die sind voll in diese Falle getappt: da spricht dann ein Held Kölsch, ein anderer Bayerisch, es wird noch berlinert und insgesamt zerstört das einfach komplett den Lesefluss und die Ernsthaftigkeit der Story. Das ist echt schade, deswegen achte ich auch sehr auf sowas. Aus Realismusgründen kommt bei mir schon ab und zu mal was Schwäbisches, weil hier tatsächlich fast niemand komplett hochdeutsch spricht. Aber pro Heft höchstens in zwei Sprechblasen, sonst geht es einem schnell auf den Senkel.

Wie erklärst du Fremden beim Bier in der Kneipe, worum es bei »Die Libelle und Drachenfaust« geht?
In etwa so: Voll geil, da gibt’s dann so den einen Typ, der kann Feuer schießen weil äh, ach egal, und dann noch so ’ne Alte mit ’nem Jetpack und die hat aber keine Kräfte und die müssen dann gegen so ’nen Typ kämpfen, den spielt in der Verfilmung dann Til Schweiger, haha. Kann ich mir da vielleicht auch eine drehen?

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