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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Gespräch über Wes Andersons »Isle Of Dogs«

Wofür Jeff Goldblum Instagram nutzt und was er über #MeToo denkt

Jeff Goldblum ist seit über 40 Jahren auf der Leinwand und neuerdings auch als Tattoo auf Instagram zu sehen. Aktueller Hingucker oder besser Hinhörer ist seine Rolle als einer der Hunde in Wes Andersons Stop-Motion-Wunder »Isle Of Dogs – Ataris Reise«. Patrick Heidmann sprach mit dem passionierten Jazz-Pianisten über Glanz und Elend des Lebens in der Traumfabrik.(Foto: 20th Century Fox)

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Ihre Sprecherrolle in »Isle Of Dogs – Ataris Reise« ist schon die dritte Kooperation mit Wes Anderson. Warum arbeiten Sie so gerne mit ihm?
Wes ist wie seine Filme: liebenswürdig, zutiefst menschlich, bescheiden und brillant. Er ist jemand, der sich ernsthaft mit Themen auseinandersetzt, zu denen jeder von uns einen Bezug hat. Als Boss am Filmset nutzt er niemanden aus und will auch keinen übervorteilen. Das empfinde ich als ebenso wunderbar wie selten.

Manche Kritiker finden Wes Andersons Filme oberflächlich. Gibt es für Sie neben einer gewissen Ästhetik etwas, das all seine Filme verbindet?
Man darf nicht denken, seine Filme seien wegen ihrer Verspieltheit, Künstlichkeit und Formalität leichte Kost. Wes legt nicht bloß Wert auf eine wunderschöne Oberfläche, seine Genialität zeigt sich darin, dass es in diesen fantastisch anzusehenden Kleinoden immer eine tiefere Ebene gibt. Das vermeintlich Schräge ist nur Mittel zum Zweck, um von Verlust, Abschied und bittersüßer Kindheit zu erzählen – wie in »Isle Of Dogs«.

Haben Sie einen Lieblingsfilm von Wes Anderson?
Ich liebe jeden einzelnen, aber für mich sind sie trotz aller Ähnlichkeiten auch sehr unterschiedlich. »Die Tiefseetaucher« und »Grand Budapest Hotel« liegen mir besonders am Herzen, weil ich in ihnen mitspiele und viele gute Erinnerungen an die Dreharbeiten habe. Aber ich mag auch »Die Royal Tenenbaums« und »Der fantastische Mr. Fox« sehr gerne.

Sie sind 65 Jahre alt, Ihr Debüt spielten Sie 1974 neben Charles Bronson in »Ein Mann sieht rot«. Wenn man sich jetzt in sozialen Netzwerken umguckt, sind Sie beliebter denn je. Das nennt man wohl Kultstatus, oder?
Ich bekomme das natürlich am Rande mit, aber ich weiß auch, dass Ruhm flüchtig ist. Wer heute in ist, kann schon morgen wieder vergessen sein. So ist das Geschäft.

Macht der Ruhm Ihnen manchmal Angst?
Manche Schauspieler haben Schwierigkeiten damit. Aber ich habe es nie als Belastung empfunden, Fans zu haben und Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Inzwischen bin ich selbst auf Instagram und freue mich nicht nur, wenn den Leuten meine Postings gefallen, ab und zu suche ich auch nach #JeffGoldblum. Das ist natürlich albern, und meine Frau schüttelt dann immer den Kopf. Aber es ist so bemerkenswert, was man da alles findet. Nicht nur Fans, die ihre Selfies mit mir posten, sondern auch herrliche kleine Zeichnungen von mir. Neulich entdeckte ich sogar jemanden, der sich ein Bild meines Gesichtes hatte tätowieren lassen. Faszinierend!

Das fänden sicher auch Ihre Kinder interessant. Wie hat sich Ihr Leben dadurch verändert, dass Sie im Jahr 2015 Vater wurden und 2017 Ihr zweiter Sohn geboren wurde?
Allein die Tatsache, dass plötzlich diese beiden kleinen Knirpse da sind, macht alles anders. Auch die Beziehung zu meiner Frau Emily Livingston ist noch einmal gewachsen. Kinder sind eine Belastungsprobe für ein Paar, aber sie schweißen zusammen. Seit Charlie Ocean, der jetzt zweieinhalb ist, und River Joe, der zehn Monate alt ist, auf der Welt sind, bin ich ein deutlich emotionalerer Mensch geworden.

Liegt es auch daran, dass Sie seither zu wenig schlafen?
Stimmt. Mein Energiehaushalt ist seither ein anderer. Aber ich bin ein disziplinierter Typ, mir ist Schlaf wirklich wichtig. Also keine Sorge, ich gehe jetzt meistens zwischen 21 und 22 Uhr ins Bett, damit mein Ruhebedürfnis nicht zu kurz kommt. Dann stehe ich gegen sechs Uhr wieder auf, um entweder Klavier zu spielen oder ein bisschen Sport zu machen. Und ab sieben Uhr wecken wir die Kinder. Bislang würde ich sagen, dass die Kinder mich in Sachen Kraft und Energie eher beflügeln als auslaugen.

Sie haben eingangs erwähnt, wie wichtig Ihnen Wes Andersons anständige Art am Set ist. Wie erleben Sie die Enthüllungen und Diskussionen, die im Zuge des Weinstein-Skandals und der #MeToo-Bewegung Hollywood und die Filmbranche erschüttern?
Ich verfolge das sehr aufmerksam. Leider bin ich nicht überrascht – aber erschüttert. Insgesamt finde ich es sehr gut, dass eine dringend nötige Veränderung einsetzt. Männer sollten in allererster Linie zuhören und verstehen lernen. Wir müssen die Frauen fördern und unterstützen, die so mutig sind, ihre schlimmen Erfahrungen öffentlich zu machen. Wir müssen aufmerksam und wachsam sein, sowohl was das Umfeld als auch das eigene Verhalten angeht. Gegenseitiger Respekt, Anstand und Sensibilität müssen wir so groß wie möglich schreiben.

— »Isle Of Dogs – Ataris Reise« (USA 2018; R: Wes Anderson; S: Bryan Cranston, Koyu Rankin, Edward Norton, Greta Gerwig, Bill Murray, Jeff Goldblum; Fox; Kinostart: 10.05.18)