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Der Depp wäre ihm lieber gewesen

James Franco über »The Disaster Artist«

Tommy Wiseaus »The Room« gilt seit seiner Veröffentlichung 2003 als schlechtester Film aller bisherigen Zeiten. James Franco hat die Geschichte verfilmt, ohne sich darüber lustig zu machen. 
Geschrieben am
Wenige Wochen bevor »The Disaster Artist« in den deutschen Kinos startet, wurde James Franco mit dem Golden Globe als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Doch es sind nicht nur positive Schlagzeilen, die man derzeit über den Hollywood-Star findet. Fünf Frauen erheben mittlerweile Vorwürfe gegen Franco, der sich bei der Preisverleihung mit einem Pin der »Time’s Up«-Bewegung gegen sexuelle Belästigung zeigte, sich ihnen gegenüber sexuell unangemessen und ausbeuterisch benommen zu haben. Zum Zeitpunkt unseres Interviews war beides indes noch Zukunftsmusik.

Ist »The Disaster Artist« der schrägste Film, an dem du je gearbeitet hast? 

Ich mache kein Projekt, nur weil ich etwas skurril finde. Es steckt immer echtes Interesse dahinter. Natürlich handelt es sich bei den wahren Begebenheiten von »The Disaster Artist« um eine bizarre Hollywood-Story, deren Protagonist einer der seltsamsten Vögel auf diesem Planeten ist. Doch im Kern steckt eine universelle Geschichte über Träumer.

Dieser Träumer ist der Filmemacher Tommy Wiseau, dessen Film »The Room« als einer der schlechtesten aller Zeiten gilt. Wann hast du den Film zum ersten Mal gesehen?
Wahrscheinlich bin ich der einzige Mensch, der zuerst das Buch »The Disaster Artist: My Life Inside The Room, The Greatest Bad Movie Ever Made« von Tommys Kumpel und Hauptdarsteller Greg Sestero gelesen und danach den Film gesehen hat. Also erst vor ein paar Jahren, als der Kult längst riesig war. Aber ich erinnere mich noch an die riesige Werbetafel, die Tommy damals auf der Highland Avenue gemietet hatte. Die war fünf Jahre lang nicht zu übersehen – mit seinem Gesicht und seiner Telefonnummer drauf.
Hast du Wiseau nie als bloße Witzfigur gesehen?
Ich habe großen Respekt vor Tommy. Er ist wie so viele Tausende andere nach Hollywood gekommen und träumte vom Film. Überall kassierte er Ablehnungen und stieß auf Widerstände, trotzdem ist es ihm gelungen, seinen Film auf die Beine zu stellen. Im Übrigen sehe ich durchaus Parallelen zwischen ihm und mir. Wir haben die gleichen Vorbilder wie James Dean oder Marlon Brando, wir haben eine ähnliche Reihe von Schauspielschulen und -kursen besucht.

Trotzdem gibt es da ein paar entscheidende Unterschiede ...
Sein Problem war, dass er nicht realisiert hat, dass Film und vor allem Regie-Führen eine Teamarbeit ist. Er hat sich immer nur auf sich selbst verlassen wollen und auch die wohlmeinendsten Ratschläge ignoriert. Eine etwas verquere Selbstwahrnehmung steht ihm obendrein im Weg. Bis heute hält er sich für eine Art Wiedergänger von James Dean. Dabei hat er eher etwas von der tragischen Diva Norma Desmond aus »Sunset Boulevard«.

Hat er sich eingemischt in die Arbeit an »The Disaster Artist«?
Nicht wirklich. Das Einzige, worauf Tommy vertraglich pochte, war, dass er in einer Szene unseres Films mitspielen kann.

War er denn eigentlich zufrieden damit, von James Franco gespielt zu werden?
Na ja, wenn er es sich hätte aussuchen können, hätte Johnny Depp den Job bekommen. Das war ernsthaft sein Wunsch! Mit mir war er dann letztlich vermutlich deswegen zufrieden, weil ich früher mal für einen TV-Film James Dean gespielt habe. Dass jetzt also quasi sein verehrter James Dean Tommy Wiseau verkörpert, hat ihm gefallen.

Wird Wiseau jemals einen weiteren Film inszenieren?
Er erzählte mir von seinem Projekt »American Stud«. Inspiriert von »American Gigolo« mit Richard Gere, nur mit schwulem Sex. Er meinte, das sei kontrovers. Aber er hat so begeistert davon berichtet, dass Seth Rogen und ich ihm versprochen haben, kleine Rollen darin zu übernehmen. Einfach aus Spaß. Wobei ich mir kaum vorstellen kann, dass der Film auch Wirklichkeit wird. Dafür muss er nach eigenen Worten 20 Millionen Dollar auftreiben.
— »The Disaster Artist« (USA 2017; R: James Franco; D: James Franco, Dave Franco, Ari Graynor; Kinostart: 01.02.18; Warner)