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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Weil er da ist

Jäger des Augeblicks

»Sportkletter-Star« Stefan Glowacz, und seine Begleiter klettern auf einen Berg. Mit an Bord: eine Kamera und ein Dutzend Sherpas.
Geschrieben am

Warum gehen Menschen die Wand rauf, wenn ihnen der Fortschritt doch wesentlich einfachere Wege offeriert, ans Ziel zu kommen? Diese Frage beantwortet der Dokumentarfilm »Jäger des Augenblicks« nicht, wie er auch sonst inhaltlich eher mager ausfällt. Neben dem Ego des »Superstars der Sportkletter-Szene« Stefan Glowacz bleibt für Informatives auch wenig Raum. Glowacz war in den Neunzigern allgegenwärtig und stand u.a. vor der Kamera von Werner Herzog (»Schrei aus Stein«). Dass es für den Strahlemann überhaupt noch Herausforderungen gibt, mag man kaum meinen. Aber da gab es diese eine Steilwand am Tafelberg Roraima, die ihn nicht mehr losließ. Also plante er mit seinen Weggefährten Kurt Albert und Holger Heuber die Tour und gemeinsam landeten sie schließlich im Dreiländereck von Brasilien, Venezuela und Guyana. Auf »sanftem« Wege geht es durch den Dschungel zum Fuße des Berges, das umfangreiche Equipment auf den Rücken der zahlreichen treuen Einheimischen verstaut. Doch hier fingen die Probleme erst an und es sollte einige Anläufe brauchen, bis sie ihr Ziel erreichten.

Die Hindernisse werden diskutiert, besprochen, beredet, totgequatscht und für den scheinbar begriffsstutzigen Zuschauer immer und immer wieder vorgekaut. Dann geht es in die Totale, irgendein Stück der 70er Rockpalette dröhnt aus den Boxen und die Heli-Cam fängt die beeindruckende Natur in Cinemascope ein. Soweit so Standard. Würde nicht im letzten Akt eine tragische Note hinzukommen, hätten wir es hier mit einem mittelprächtigen Sportfilm zu tun. Dass dieses Dokument jedoch zu einem Nachruf werden würde, einem Abschied einer wahren Sportlegende, macht den Unterschied. Das verleiht der atemberaubenden Landschaft einen Hauch von Melancholie.