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Wurmloch-Trip mit Nolan-Faktor

»Interstellar«

Mit den Filmen von Christopher Nolan ist es so eine Sache: Hinter ihrer Opulenz und ihren originellen Ideen verbergen sich manchmal heiße Luft und Langeweile. Der Trailer des Wurmloch-Trips »Interstellar« verspricht mal wieder eine positive Überraschung. Zeit für eine kleine Werkschau.
Geschrieben am
Ach, Christopher Nolan, du dunkler Ritter des Hollywood-Kinos. Seitdem der Trailer für deinen neuen Film »Interstellar« raus ist, drehen schon wieder alle durch. Ein Zustand, der dir gefallen sollte. Zumindest kannst du den dunklen Seiten der menschlichen Psyche einiges abgewinnen.
Angst und Trauer, Wut und Vergessen, Vertrauen und Zweifeln. Sind das nicht die Kernthemen deiner Filme? Dein Debüt »Following« war überraschend. Es versprach eine andere Herangehensweise – achronologisch, dunkel, paranoid. Ein Verwirrspiel wie auch später in »Memento«, deinem Vor- und Zurückspul-Film, der zwei Timelines gegeneinander laufen ließ. Die Hauptfiguren in »Memento« sind verheddert in Intrigen. Sie vertrauen den falschen Personen, sind in ihrer menschlichen Unperfektheit gefangen. Mit kleinen Budgets, aber dem richtigen Auge für gute Besetzungen machten dich diese Filme berüchtigt. Du wurdest zum Klassiker auf Teenager-Partys.

»Insomnia« ist zwar ein typischer Übergangsfilm geworden, dessen Cast hervorragend spielte und der die tiefe Seite Robin Williams’ zeigte, der große Wurf musste aber noch drei Jahre warten. Er gelang dir als Regisseur einer neuen »Batman«-Trilogie. »Batman Begins« bescherte uns Christian Bale als besten Batman aller Zeiten. Den lustigen Kitsch der Burton/Schumacher-Ära konnten wir endlich hinter uns lassen. Zuschauer und Kritiker waren sich einig: Das war neu, das fühlte sich richtig an. Blockbuster-Hollywood-Kino plus X – und das X war der Nolan-Faktor. So revolutionär war »The Dark Knight« nicht mehr. Natürlich bot er durch seine IMAX-Auflösung brutal wirkungsmächtige Bilder. Die wurden getragen von der Präsenz und vom Timing Heath Ledgers, dem Joker. Technisch war das bestes Kino. Die Fortsetzungs-Logik forderte dennoch ihren Preis. Der neue Batman war schon wieder alt. Und dass du dazwischen noch »Prestige« produziert hattest, ist heute zu Unrecht fast vergessen.

Dann kam »Inception«. Ein Film wie ein Hans-Zimmer-Soundtrack, der natürlich auch nicht fehlen durfte. Wer die Zimmer-Scores kennt, weiß, dass neben Opulenz auch Langeweile, Unterkomplexität und Effekthascherei auf einen warten. Manches kam einem bekannt vor. Die Schnee-Episode erinnerte doch sehr an den Anfang von »Batman Begins« – und auch generell wirkte das meiste durchdekliniert und wenig überraschend. Das ganze Konzept der Trauminvasion stellte wie schon in »Memento« die Frage, wie denn überhaupt unser Geist funktioniert und wie leicht er manipuliert werden kann.

Also, es gibt diesen Nolan-Faktor, der deine Filme einzigartig macht. Seit »The Dark Knight Rises« fragt man sich jedoch, wie sehr dieser Faktor noch sticht. Baine war letztlich eine Lachfigur. Wir waren eher enttäuscht. Und auf dein Drehbuch für »Superman: Man Of Steel« wollen wir mal gar nicht eingehen. Nur Liebe sei in der Lage, Raum und Zeit zu transzendieren, heißt es im Trailer zu »Interstellar«. Ach, Christopher Nolan, du dunkler Ritter des Hollywood-Kinos. Wir werden sehen, wohin deine Reise führt.
– »Interstellar« (USA 2014; R: Christopher Nolan; D: Matthew McConaughey, Anne Hathaway; Kinostart: 06.11.14)