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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Imperialistisches Intrigantenstadl

Kabinett außer Kontrolle

Britischer Humor der feinsten Art: Nicht nur der Nahe Osten zittert, wenn Minister Simon Foster den Mund aufmacht.
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Politik ist ein schmutziges Geschäft. Das sagt jedenfalls der Volksmund. In »Kabinett außer Kontrolle« werden alle Vorurteile bestätigt. Die fiktionalen Charaktere konkurrieren hart mit der künstlichen Selbstdarstellung echter Polit-Profis. Die Äußerung des britischen Ministers Simon Foster (Tom Hollander) bringt den Stein dieser nah am Abgrund der Realität spielenden Satire ins Rollen: Ein Krieg sei »unvorhersehbar«. Welcher Krieg? Sein cholerischer Imageberater Malcolm Tucker (Peter Capaldi) lässt die Tiraden des Führers in Eichingers »Untergang« nach diesem Fauxpas wie die Wutanfälle eines Dreijährigen erscheinen.

Man fragt sich: Wer ist eigentlich der Chef, wer hält hinter den Kulissen die Fäden in der Hand - und wer ist bloß »Fleisch« für die Suppenküche der Medien? Keiner weiß hier mehr Bescheid. Die Verwalter der Demokratie üben sich in permanentem Krisenmanagement (»Sind meine Zähne schief?«) und politischer Unkorrektheit. Regisseur Armando Iannucci lässt sie an den Strippen zappeln, die sie zu ziehen meinen.

So spielt das Marionettentheater in Höchstform imperialistischen Intrigantenstadl auf der politischen Weltbühne - bleibt aber selbst heillos verstrickt in die Automatismen des Systems. Immerhin, man staunt: So gut sind die Dialoge im Zentrum der Macht! Wie es derweil im Lager der feindlichen Terroristen zugeht, sehen wir im April, dann kommt Chris Morris' Selbstmordattentäter-Klamauk »Four Lions«.



»Kabinett außer Kontrolle« (GB 2009; R: Armando Iannucci; D: Peter Capaldi, James Gandolfini, Gina McKee; Ascot Elite)