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Margot Robbie beeindruckt

»I, Tonya« ist das beste Biopic des Jahres

Aus der Sportwelt auf die Leinwand: Ein hollywoodreifes Eislauf-Drama kommt ins Kino. Im Biopic »I, Tonya« erlebt man Margot Robbie in einer der besten Rollen ihrer bisherigen Karriere. (Artikelbild: DCM)

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Wenn reale Biographien streitbarer Personen verfilmt werden, kommt es oft zu romantischer Verklärung und fiktionaler Überhöhung. Auch »I, Tonya« bietet einige solcher Momente, doch in diesem Eislauf-Drama ist tatsächlich verschwindend wenig hinzugedichtet. Regisseur Craig Gillespie (»The Finest Hours«) orientiert sich eng an der hervorragende ESPN-Dokumentation »The Price Of Gold« und verbindet arrangierte Interviewpassagen mit Rückblenden aus dem Privatleben der Protagonisten. Einige der Szenen wurden dabei nahezu originalgetreu aus der Dokumentation übernommen, andere stammen etwa aus zeitgenössischen Fernsehbildern, was dem Film bei aller Freiheit in den Dialogen und seiner rasanten, beizeiten komödiantisch anmutenden Inszenierung ein sehr glaubhaftes Szenario verleiht.

Erzählt wird in »I, Tonya« die ungewöhnliche Biographie der Eiskunstläuferin Tonya Harding und ihrer Verwicklung in einen Vorfall, der weit mehr als nur Sportgeschichte schrieb. Kulminationspunkt der Handlung ist die Attacke auf Nancy Kerrigan, bei der Hardings stärkste Konkurrentin schwer am Knie verletzt wurde. So zeigt der in den frühen Neunzigern angesiedelte Film sehr anschaulich die Entwicklung einer sensationsgierigen, rund um die Uhr andauernden Berichterstattung in Zeiten, da das Internet noch in den Kinderschuhen steckte.

Neben den zeitgeschichtlichen Aspekten, ist es vor allem das Ensemble der Darsteller, das »I, Tonya« zu einem der sehenswertesten Filme des bisherigen Jahres macht. Allen voran glänzt Hauptdarstellerin Margot Robbie (»Suicide Squad«) in der Rolle der schroffen und oftmals ungehobelten, aber faszinierende Tonya Harding. Doch auch Allison Janney (»Mom«) als herrische Mutter Lavona oder Paul Walter Hauser (»Kingdom«) in der Rolle des vertrottelten Bodyguards Sean tragen den Film.

Die junge, aus einfachen Verhältnissen und einem zerrütteten Elternhaus stammende Sportlerin Harding heiratet früh, was zu einer von häuslicher Gewalt geprägten On-Off-Beziehung zu Ehemann Jeff Gillooly (Sebastian Stan) führte. Dieses Leben wollte nicht so recht in die glamouröse Welt des Eiskunstlaufens passen. Margot Robbie zeigt in ihrer beeindruckenden Darstellung diese Widersprüche auf und lässt Schwächen offenkundig zu, ohne ihre Figur zu verraten. Beinahe wirkt es so, als habe sich die Schauspielerin, die oft mit ihrer Kollegin Jamie Pressly verwechselt wird, von deren unnachahmlicher Darstellung der Trailerpark-Königin Joy Turner in »My Name Is Earl« inspirieren lassen und diese ans Drama-Format angepasst. Anfangs bestehen zwar die grundsätzlichen Probleme, die es mit sich bringt, wenn eine Mittzwanzigerin eine Jugendliche spielt, doch umgehend hat man vergessen, dass hier gar nicht die echte Tonya Harding zu sehen ist.