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Okkult-Horror von »REC«-Regisseur Paco Plaza

Hype um Horror-Geheimtipp »Veronica«

Auf Twitter ist man sich einig: »Veronica« ist der gruseligste Film, der je auf Netflix zu sehen war. Doch was hat es mit diesem Geheimtipp auf sich, der eigentlich schon letztes Jahr erschienen ist? Wir haben uns den Film angeschaut. (Bild: Koch Media)

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Wer in diesen Tagen immer noch an der Wirkmacht der Streamingdienste zweifelt, findet mit dem aktuellen Hype um den Okkult-Horror-Film »Veronica« einen weiteren Beweis dafür. Der spanische Geheimtipp von »REC«-Regisseur Paco Plaza  ist bereits im Sommer des vergangenen Jahres erschienen, schlägt aber erst jetzt mit dem Erscheinen bei Netflix richtig Wellen. Besser spät, als nie, ist Plaza mit dem düsteren Thriller doch tatsächlich eine ausgesprochen beunruhigende Interpretation des Genres gelungen – wenn auch nicht unbedingt der »gruseligste Film auf Netflix«, wie derzeit gerne proklamiert wird.

Der Plot beginnt dabei fast schon obszön gewöhnlich: Während einer Sonnenfinsternis schleicht sie die 15-jährige Veronica (Sandra Escacena) mit zwei Freundinnen und einem Hexenbrett in einen verlassen Trakt der Schule, um dort eine Geisterbeschwörung abzuhalten. Irgendwas geht schief und Veronica kommt erst auf der Krankenstation der Schule wieder zu sich. Fortan wird das Mädchen von schrecklichen Träumen, Visionen und Halluzinationen geplagt.

»Veronica« mag auf dem Papier nach ordinärer Genre-Kost klingen, macht aber in der Praxis weitaus mehr her. Oberflächlich betrachtet dürfte sich das ganz einfach über Paco Plazas erstklassiges Gespür für eine stimmige, zugleich aber auch höchst unheilvolle Bildsprache herleiten, die fortwährend beeindruckende Motive produziert. Für die Angst der jungen Protagonistin – und damit auch die des Zuschauers – spielt allerdings viel mehr die enge Verknüpfung mit den sozialen Umständen der portraitierten Familie eine Rolle. Während die gutherzige, aber heillos überforderte Mutter von Veronica aufgrund ihres Jobs in einer Kneipe fast gänzlich abwesend ist, muss sich die 15-jährige alleine um den Haushalt und ihre drei kleinen Geschwister kümmern.

Ein Bürde, die sie zunehmend isoliert da stehen lässt. Während ihre Freundinnen Partys schmeißen, muss Veronica ihren Bruder baden und ins Bett bringen, den Schwestern vorlesen oder das Geschirr spülen. Die Isolation und Verantwortung dieser Rolle lassen sie in dieser Extremsituation extrem verletzlich und angreifbar werden. Ein Gefühl, dass sich unverweigerlich auf den Zuschauer überträgt und schnell über gewisse Klischees hinwegsehen lässt – nicht zuletzt auch, weil Hauptdarstellerin Sandra Escacena ihren Job hier wirklich gut macht.

Ein Umstand, der den unverhofften Erfolg des Filmes ebenfalls beschleunigt haben dürfte, ist die Tatsache, dass »Veronica« auf einem realen Vorfall basiert, der sich in den Neunzigerjahren in Madrid zugetragen haben soll. Hier sei es außergewöhnlich gewesen, dass neben diversen Augenzeugen auch erstmals ein Polizeibeamter unerklärliche Dinge zu Protokoll gegeben haben soll. Dazu kursiert derzeit auch ein spanischer Fernsehbericht aus jener Zeit. Dass es sich bei solchen Begebenheiten in erster Linie um gutes Marketing handelt, steht natürlich außer Frage. Dennoch ist der Film auch von solchen Oberflächlichkeiten abgesehen durchaus eine Empfehlung wert. 

Paco Plaza

Veronica - Spiel mit dem Teufel [Blu-ray]

Release: 01.11.2017