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und weitere Filmstarts und Trailer der Woche

Hilde

Intro-Chefcineast Alexander Dahas hat sich wie jeden Donnerstag der wichtigsten Kinostarts der Woche angenommen. U.a. mit der Makatsch.
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Intro-Chefcineast Alexander Dahas hat sich wie jeden Donnerstag der wichtigsten Kinostarts der Woche angenommen. U.a. mit der Makatsch.

Hilde
R: Kai Wessel; D: Heike Makatsch, Michael Gwisdek, Johanna Gastdorf etc.
Wenn es um eine spezifisch deutsche Showbiz-Ikone geht, kann wahrscheinlich niemand Hildegard Knef das Wasser reichen. Als singende Filmschauspielerin versinnbildlichte die Actrice wie niemand sonst die Widersprüche und Hoffnungen einer Nachkriegsgeneration, die sich noch eng im Korsett gleichgeschalteten Entertainments befand. "Hilde" konzentriert sich auf das Leben der Knef zwischen '45 und '66 und erfasst die Essenz der Epoche gespenstisch genau. Als betont konventionelles Biopic profitiert der Film enorm von Makatschs energetischer Leistung in der Titelrolle, die als willfährige "Sünderin" die verdrängte Lust einer ganzen Generation artikulierte. Gespickt mit den zitierfähigsten Bonmots der (Selbst)Darstellerin, gelingt Wessel eine gediegene Produktion, die den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht. Dass der Film die "wahren" Beweggründe der Diva im Dunkeln lässt, kann dabei ebenso gut als respektvolle Distanz gewertet werden.

The Fall
R: Tarsem Singh; D: Lee Pace, Catinca Untaru, Justine Waddell etc.
Regie-Wunderkind Tarsem (drehte u.a. den R.E.M.-Clip "Losing My Religion") war im Nachhinein ziemlich schlecht beraten mit J-Los Starvehikel "The Cell"; die Vorliebe für großspurige Unternehmungen indes ist ihm geblieben. "The Fall" handelt von einem philosophisch interessierten Rekonvaleszenten, dessen phantastische Traumgespinste eine minderjährige Mitpatientin in ihren Bann ziehen. Der Film ist ein Fest für die Sinne, dessen vage lebensverächtliche Metaphorik hinten ansteht in einem Bilderrausch, der die schiere Machbarkeit traditioneller Spezialeffekte zelebriert. Kritiker bezeichneten den Streifen als bessere Farbtapete, die visuelle Brillanz spricht trotzdem zu einem Publikum, dessen Phantasie ohne den Umweg übers Großhirn beflügelt wird. Filmstudenten kommen jedenfalls auf ihre widerwillig bezahlten Kosten.

Video: Die Trailer der Woche




Auf der nächsten Seite: "Hinter Kaifeck" und "Shopaholic".







Hinter Kaifeck
R: Esther Gronenborn; D: Benno Fürmann, Alexandra Maria Lara, Henry Stange etc.
Man muss Köln nur wenige Kilometer hinter sich lassen, um sich in einer Umgebung wieder zu finden, die förmlich nach Tatort stinkt. Die Assoziation von Provinz und Verbrechen wird auch in "Hinter Kaifeck" bemüht, wenn es darum geht, die mörderische Aura des Folkloristischen auszuloten. In diesem Film sieht sich ein Fotograf mit den Nachwehen eines 80 Jahre zurückliegenden Mordfalls konfrontiert, der eine seltsame Diesseitigkeit mit sich bringt. Gelegenheit für Regisseurin Gronenborn, die Versatzstücke klassischen Grusels auf eine latent bedrohliche Dorfidylle anzuwenden, die in einem märchenhaften Dämmerschlaf vor sich hinträumt. Anfangs hocheffizient nutzt sich die Breitenwirkung an hölzernen Figuren und einer kalkulierten Dramaturgie ab, die den alltäglichen Horror nur als Chiffre diffuser Ängste auf die Leinwand zu bringen vermag. Das Remake sollte eigentlich ich machen dürfen.

Shopaholic
R: PJ Hogan; D: Isla Fisher, Hugh Dancy, Krysten Ritter etc.
Was Judd Apatow-Filme für den Klischee-Kindskopf sind, bedeutet "Shopaholic" währenddessen für die darbende weibliche Klientel hollywoodesker Feelgood-Phantasien: das reuelose Abfeiern "typisch femininer" Problemzonen, als da wären Geltungsdrang und Kaufrausch. Durch ihre Ernennung zur Redakteurin macht ein Finanz-Magazin mit der modeaffinen Becky sozusagen den Bock zum Gärtner, bevor dich herausstellt, dass sich der Kamikaze-Entschluss als Glücksgriff erweist. Von da bis zum filmtypischen Happy End sind es nur noch ein paar Kassenbons. Hauptdarstellerin Isla Fisher gelingt die leichtfüßige Balance zwischen haarsträubendem Stereotyp und subversiver Anti-Rolle auch aufgrund einer hervorhebenswerten komödiantischen Leistung, die Genremüll wie "Sex And The City" mit einer ironischen Gegenperspektive konfrontiert. Oberflächlich betrachtet ist der Film natürlich nach wie vor ein kaum zu verantwortendes Konsummärchen, die gebotene Leichtigkeit lässt die Sache allerdings schon wieder ganz anders aussehen.