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Hass auf Daddy

Das Vaterspiel

Michael Glawogger schafft es, dass man beim Lachen kräftig schlucken muss.
Geschrieben am
Lose Fäden der Geschichte zusammenzuführen und Licht auf komplexe Mikrokosmen in einer eindeutig von den Seiten Gut und Böse besetzten historischen Konstellation zu werfen - das war Absicht und Leistung von Josef Haslingers 1999 erschienenem Roman "Das Vaterspiel".

Dazu vermengte der Autor seine Fragen nach dem Nationalsozialismus - dessen Tätern und Opfern - mit einer die Auswirkungen von Gewalt in Computerspielen reflektierenden Storyline. So weit, so erfolgreich. Bereits in unserer "Unterwegs"-Ausgabe vor zwei Jahren hatten wir von den Dreharbeiten berichtet. So lange ist es also her, dass Michael Glawogger konkret an dem Film gearbeitet hat, der nun seinen Ruf als Regie-Multitalent, das scheinbar nach Belieben zwischen den Genres zu switchen vermag, untermauert. Mit der Dokumentation "Workingman's Death", die einen über mehrere Kontinente schweifenden Blick auf klassische Arbeit im 21. Jahrhundert warf, begann Glawoggers Karriere, zuletzt lieferte er die blitzsaubere Kiffer-Komödie "Contact High". Im "Vaterspiel" bringt er nun das Kunststück fertig, dem österreichischen Humor ein vorläufig unerreichbares Denkmal zu setzen, das im Protagonisten "Ratz" Kramer (Helmut Köpping) lebendig wird. Der ewige Versager programmiert in vielen Nächten ein Computergame, um Hass auf seinen Daddy abzuarbeiten. Eines Tages folgt er dem Ruf einer ehemaligen Studienkollegin nach New York, ohne zu wissen, worauf er sich einlässt. Mit dem Plan, sein Spiel in den USA an Spieleanbieter zu verscherbeln, macht "Ratz" sich auf die Socken. Die Firmen sind aus moralischen Gründen nicht interessiert. Allerdings wird der Ego-Shooter online zum Hit. Als sein Vater sich das Leben nimmt, taucht "Ratz" in die Geschichte ein. Michael Glawogger schafft es, dass man beim Lachen kräftig schlucken muss.


Das Vaterspiel (D 2009; R: Michael Glawogger; D: Helmut Köpping, Sabine Timoteo, Ulrich Tukur; 26.11.)