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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Plus Minus Acht - DJ Tage, DJ Nächte

Hans Nieswandt

Es ist mehr als komisch, ein Buch von jemandem zu lesen, den man zwar eigentlich nicht kennt, aber, der einen als DJ auf Partys, die man besucht hat - der Musik wegen - lange Zeit begleitet hat und demzufolge auch einen nicht unerheblichen Einfluss auf das eigene Empfinden und die Erinnerungen im Zu
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Es ist mehr als komisch, ein Buch von jemandem zu lesen, den man zwar eigentlich nicht kennt, aber, der einen als DJ auf Partys, die man besucht hat - der Musik wegen - lange Zeit begleitet hat und demzufolge auch einen nicht unerheblichen Einfluss auf das eigene Empfinden und die Erinnerungen im Zusammenhang mit einer bestimmten Musik oder auch nur Zeit hatte. Das, was es so komisch macht, ist wohl schlicht die Perspektive oder die Betrachtungsebene, von der aus man Dinge und Momente erlebt hat, eben einmal als DJ/Produzent und auf der anderen Seite als Konsument in einem bestimmten örtlichen Rahmen.

Nicht alles, was in "Plus Minus Acht" steht, ist mir so als Konsument bekannt, aber doch sehr vieles und sei es nur indirekt in der Art, dass ich eine Ahnung habe (oder es auch nur glaube), worüber hier gesprochen wird. Zumindest bis zu einem gewissen Zeitpunkt, von dem dieses Buch erzählt. Keineswegs bis zum Schluss, denn mein Weg ging irgendwann dann woanders hin.

Das Buch zu lesen, war so für mich an vielen Stellen eine Art Konfrontation mit meiner eigenen Geschichte, nur eben aus der Perspektive eines anderen. So spannend und ganz ohne Frage auch lustig genau dieser Charakterzug von Nieswandts Buch auch ist, ist es, so denke ich, gleichzeitig auch seine einzige und größte Schwäche. Es ist nämlich nur schwer vorstellbar, dass Nicht-DJs dem Buch wirklich viel entnehmen können. DJs können sich in den verschiedenen erzählten Abläufen und Erlebnissen vom Auflegen wiedererkennen und müssen an den entsprechenden Stellen lachen. Ganz ohne Frage lässt es sich in jedem Fall leicht runterlesen, weil es gut geschrieben ist, macht also Spaß und ist sicherlich auch stellenweise sehr informativ. Wie so oft bei Büchern seiner Art, die in Romanform mit Musikjournalismuscharakter eine sehr spezielle Geschichte erzählen, wird es jedoch jenen, die nicht ansatzweise in selbige involviert sind, wenig mehr als Unterhaltung bringen. Aber selbst das ist schon eine ganze Menge und außerdem ist es ja auch das Schöne an allen Büchern, dass sie für jeden von uns eine andere, ganz private Bedeutung haben.

(Kiepenheuer & Witsch, 223 S., EUR 8,90)