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Frische Lorbeeren

»Hail, Caesar!«

Ein Film ohne stringente Handlung, der von der Liebe zum Filmemachen in Hollywood selbst handelt. Und in dem Julius Caesar mit Herbert Marcuse diskutiert. Die Coen-Brüder setzen ihrem Lebenswerk die nächste Krone auf. Ein Loblied.
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Seit 30 Jahren schaffen es die Brüder Ethan und Joel Coen, Filme zu machen, die einen hohen künstlerischen Anspruch haben und doch meist nicht allzu schlecht an den Kinokassen abschneiden. Die Reviews zu »Hail, Caesar!« waren zwar durchaus positiv nach der Eröffnung der Berlinale Anfang des Jahres – wer traut sich auch schon, gegen die Coens anzuschreiben? –, doch der ganz große Wurf war das für die meisten Kritiker nicht. Dennoch: »Hail, Caesar!« ist vielleicht die beste klassische Komödie der beiden. Nicht nur wegen der All-Star-Besetzung – selbst in kleineren Nebenrollen treten an der Seite von George Clooney, Ralph Fiennes und Scarlett Johansson grandiose Darsteller wie Jonah Hill oder Coen-Liebling Frances McDormand auf –, sondern aufgrund der selbstreferenziellen Note und des trockenen Witzes, der intellektuelle Tiefe mitunter nur vorgaukelt und eigentlich Slapstick ist. Hinzu kommt die Bildebene, die fast märchenhaft erzählt, wie das Hollywood der 1950er-Jahre ausgesehen haben muss.

Den Coen-Brüdern gelingt es hier wie selten zuvor, high und low miteinander zu verflechten: Auf eine hervorragend choreografierte Sing-und-Tanz-Nummer mit Channing Tatum als Vortänzer folgt eine theoretische Auseinandersetzung mehrerer Kommunisten – inklusive Professor Herbert Marcuse – zur systemstützenden Agentenrolle im Kapitalismus, die durch das Hollywood-Kino erfüllt wird.

Auch Grundrezepte ihres Schaffens verwenden die Coens. Mit Josh Brolin als Eddie Mannix gibt es den prototypischen Träger der Handlung, der nach bestem Wissen und Gewissen versucht, den Laden (hier das Studio) zusammenzuhalten. Aber eine höhere Macht oder der Zufall legt ein paar Steine bereit, über die er brachial stolpern könnte. Larry Gopnick aus »A Serious Man« kann davon ein Lied singen. Insgesamt handelt es sich bei »Hail, Caesar!« um eine vortreffliche Hommage an das Kino selbst. Mit allem Zauber und auch mit all den unsauberen Ecken, die hinter den Kulissen liegen. So eine schöne Auseinandersetzung mit dem Alltag, der sich auch 60 Jahre später kaum geändert haben dürfte, kann man nur auf Zelluloid bannen, wenn man das liebt, was man tut. Auch noch bei Film Nummer 17.

Joel Coen

Hail, Caesar! [Blu-ray]

Release: 30.06.2016

Hail, Caesar!

Release: 30.06.2016

— »Hail, Caesar!« (USA 2016; R: Ethan Coen, Joel Coen; D: Josh Brolin, George Clooney, Frances McDormand; VÖ 30.06.16; Universal)